Dritter Vortrag
Nun denken wir einmal, was es für die Menschenseelebedeutet, wenn sie sich sagen kann: Ja, ich habe dieses oder jenes in der Welt getan. Es beeinträchtigt meine Fortentwickelung nicht, denn ich bleibe nicht so unvollkommen wie ich war, als ich die Tat begangen habe. Ich darf meine Vollkommenheit im weiteren Verlauf meines Karma wieder erringen, indem ich die Tat ausgleiche. Aber ungeschehen kann ich sie ja nicht machen für die Erdenentwickelung. — Unsägliches Leid müßte man mittragen, wenn nicht ein Wesen mit der Erde sich verbunden hätte, welches das, was von uns nicht mehr abgeändert werden kann, für die Erde ungeschehen machte. Dieses Wesen ist der Christus. Nicht subjektives Karma, aber die geistigen objektiven Wirkungen der Taten, der Schuld, die nimmt er uns ab. Das ist dasjenige, was wir, wie gesagt, in unserem Gemüt weiterverfolgen müssen. Dann werden wir es erst verstehen, daß der Christus im Grunde genommen diejenige Wesenheit ist, die mit der ganzen Menschheit im Zusammenhang steht, mit der ganzen Erdenmenschheit; denn die Erde ist um der Menschheit willen da. Also auch mit der ganzen Erde steht der Christus im Zusammenhang. Und das ist des Menschen Schwäche, die eingetreten ist infolge der luziferischen Verführung, daß der Mensch zwar imstande ist, sich subjektiv im Karma zu erlösen, daß er aber nicht imstande wäre, die Erde mitzuerlösen. Das vollbringt das kosmische Wesen, der Christus.
Cite:
GA 155/1914-07-15/p031 · edition original