Dritter Vortrag
Und jetzt begreifen wir, warum manche Theosophen so gar nicht verstehen können, daß das Christentum mit der Karma-Idee völlig in Einklang steht. Das sind die Theosophen, die hineintragen in die Theosophie den vollsten Egoismus, einen höheren Egoismus; die es zwar nicht aussprechen, aber die im Grunde genommen doch fühlen und denken: Wenn ich mich nur in meinen Karma selbst erlöse, was geht mich dann die ganze Welt an; die mag machen, was sie will! Und diese Theosophen sind zufrieden, wenn sie nur von dem karmischen Ausgleich sprechen können. Aber damit ist es nicht getan. Der Mensch wäre ein rein luziferisches Wesen, wenn er nur an sich denken würde. Der Mensch ist ein Glied der ganzen Welt, und der Mensch muß hingebungsvoll gegenüber der ganzen Welt denken. So muß er darüber denken, daß er zwar sich selbst für sich egoistisch erlösen kann durch das Karma, daß er aber nicht das ganze Erdensein miterlösen könnte. Da tritt der Christus ein. Und in dem Augenblick, wo wir uns entschließen, nicht nur an unser Ich zu denken, müssen wir an etwas anderes noch denken als an unser Ich. Aber an was müssen wir denken? An den Christus in mir, wie Paulus sagt. Dann sind wir eben mit ihm mit dem ganzen Erdensein verbunden, dann denken wir nicht an unsere Selbsterlösung, sondern wir sagen: Nicht ich und meine Selbsterlösung — nicht ich, sondern der Christus in mir und die Erdenerlösung!
Cite:
GA 155/1914-07-15/p032 · edition original