Erster Vortrag
Ich will noch einen Vergleich wählen, um die Sache deutlicher zu machen. Nehmen wir an, jemand sei ein Zimmermann, er habe Zimmern gelernt und habe nun die Absicht, als Zimmermann dieses oder jenes Gerät zu machen. Durch diese Verrichtungen als Zimmermann macht er nun immerfort diese und jene Geräte, Jahre hindurch; das ist das Wesen der Aufgabe des Zimmermanns. Aber es werden nicht nur Geräte gemacht, die für den physischen Plan nützlich sind, es tritt noch etwas anderes als Beigabe ein: Er wird geschickter, seine Handhabung wird gelenkiger, er erwirbt sich etwas für seinen eigenen Organismus, indem er tüchtiger, gelenkiger wird. Das ist gleichsam ein Nebenerfolg. So ist es auch bei geistigen Tätigkeiten. Nehmen wir zum Beispiel einen Botaniker. Wenn ich mich als Botaniker betätige und wunderbare Anstrengungen auf dem Gebiete der Botanik Jahrzehnte hindurch mache, so ist das für den physischen Plan schön. Aber es ist noch ein Nebeneffekt dabei: ich werde gelenkiger im Denken; das Denken wird gleichsam «dressiert». Auf diese «Dressum - nehmen Sie den Ausdruck nicht im gewöhnlichen, trivialen Sinne des Wortes - muß der Geistesforscher eingehen. Er muß das, was man im gewöhnlichen Leben im Dienste des äußeren Wissens verwendet, dazu verwenden, seine Geisteskräfte gelenkiger, gefügiger zu machen. Denn wenn man diese Kräfte, anstatt sie zum Nutzen und Vorteil in der physischen Welt zu verwenden, in den Dienst der Selbsterziehung stellt, wie dies in der Meditation und in der Konzentration und in den Übungen, die man bekommt, geschieht, dann bereitet man sich vor, in die geistige Welt einzudringen. Und nehmen Sie dieses Wort, das ich sage: man bereitet sich vor - als etwas außerordentlich Wichtiges. Denn im Grunde genommen kann man überhaupt nichts anderes tun, als sich vorbereiten, um in die geistige Welt einzudringen; das übrige ist Sache der geistigen Welt, die muß uns dann entgegenkommen. Sie kommt uns aber nicht entgegen, wenn wir nur so sind, wie wir als Menschen auf dem physischen Plan gewöhnlich sind. Nur wenn wir in der geschilderten Weise unsere Seelenkräfte umgewandelt haben, können wir hoffen, daß uns die geistige Welt entgegenkommit. Es kann nicht so sein wie bei einer Forschung in der physischen Welt, wo man so ohne weiteres an die Dinge herangeht. Man kann sich nur vorbereiten, damit, wenn die Dinge der geistigen Welt an einen herantreten, sie uns dann nicht entgehen, sondern daß sie wirklich auf uns einen Eindruck machen. |
Cite:
GA 156/1914-10-03/p014 · edition original