Vierter Vortrag
Sie können einsehen, daß so der Mensch in diesem beschriebenen weiteren Erleben immer unabhängiger und unabhängiger wird vom Raumesstandpunkt und vom Zeitstandpunkt, auf dem er in der physischen Welt ist. Sie sehen, daß er nicht nur aus sich herausgeht, sondern bei diesem Herausgehen gleichzeitig auch in das lebendige Weben und Wesen des Kosmos hineingeht, nicht nur einseitig, indem man sich gleichsam in den räumlichen Sphären ausdehnt, sondern vielseitig, indem man sich auch erlebt in der Zeit als ein Lebewesen, das in sich selbst die Bewußtseinspunkte - möchte ich sagen der Wesenheiten der höheren Hierarchien hat. Wenn man also nicht mehr bei sich lebt, auch nicht mehr lebt in dem Raum und der Zeit, die einem angewiesen sind als physisches Wesen, wenn man gleichsam den Raum zu seinem Leib, die Zeit zu seiner Seele angenommen hat - merken Sie wohl das Wort, man lernt es erst allmählich in seiner vollen Bedeutung verstehen, wenn man viel darüber meditiert hat -, wenn man gleichsam den Raum zu seinem Leib, die Zeit zu seiner Seele angenommen hat, dann hat man sich vereinigt mit dem, was nicht ein abstraktes Fühlen im Allgemeinen ist, sondern ein lebendiges Weben und Wesen in sinnvollem Weltensein. Überall, wohin man sich versetzt, ist Sinn. Und überall, wohin man sich versetzt, sprießt in die eigene Seele Sinn herein. Und aus Einzelsinn setzt sich ein Allgemeinsinn zusammen und webt und west in der Welt. Aus vielen ihrer Punkte sprießt vielfach wie fruchtend der Sinn der Dinge hervor. Und das Geistige, was in den einzelnen Sinnen aufsprießt, aus den Einzelwesen, das webt sich zusammen zu einem all-sinnvollen Weltenwort, und man webt und lebt im Weltenwort darinnen. Und dieses Drinnenweben, Drinnenleben im Weltenworte, das ist wiederum ein anderer Vokal der geistigen Welt. Das ist, ich möchte sagen, der Ur-Urvokal der geistigen Welt selber. Mit diesem Erleben des Weltenwortes, das man sich in einer Viellebendigkeit, nicht bloß in einem geistigen Hören vorzustellen hat, ist alles das gegeben, was man im höheren Sinne Inspiration nennen kann. Mit ihm ist all das gegeben, wovon man so sprechen kann, daß man sagt: Was ich in diesem Weltenworte weiß, das weiß die Welt in mir; ich bin im Grunde genommen ganz unschuldig an all dem, was ich so weiß, denn es weiß die Welt es in mir. Ich kann schuldig werden an dem Wissen des Weltenwortes nur dadurch, daß ich ein unvollkommenes Instrument bin, das nur in gebrochenen Strahlen dieses Weltenwort in mich hereintönen läßt. Aber es ist das Weltenwort, das in mir selber ertönt. - Und je bescheidener man geworden ist, je weiter man es dahin gebracht hat, selbstlos hingegeben zu sein, ohne noch irgendwelche Prätentionen zu haben in bezug auf eigenes Schaffen, Denken, Fühlen und Wollen, je mehr man es dazu gebracht hat, das Weltenwort walten zu lassen im Weben des eigenen Wesens, desto besser, desto objektiver gibt man wieder, was durch das Weltenwort als Geheimnis die Welt durchflutet.
Cite:
GA 156/1914-10-06/p014 · edition original