Vierter Vortrag

GA 156/1914-10-06/p034 ·1914-10-06 · original (original)
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Dieser Kopf, wenn man anfängt ihn zu deuten - nicht einfach ihn so zu beschreiben, wie er sich sinnlich darbietet -, so ist er etwas ungeheuer Bedeutungsvolles, daß in seinem Inneren sich komplizierte Vorgänge abspielen, die von einer Knochenschale fast allseitig umschlossen sind. Dadurch gliedert sich von der gesamten physischen menschlichen Wesenheit ein Teil ab, der durch die härteste menschliche Substanz, nämlich die Knochensubstanz, allseitig umschlossen ist. Das ist aber ein Teil der menschlichen Wesenheit, des menschlichen Organismus. Der Mensch ist wirklich kein so einfaches Wesen, daß man von ihm eben nur als von dem Menschen sprechen kann. Welche primitiven Vorstellungen man über die Sache, die hier gemeint ist, in der Gegenwart hat, das zeigte sich besonders, als meinen Büchern gegenüber getadelt worden ist, daß da jemand von der menschlichen Seele als von einer Empfindungs-, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele spricht, während man es doch so herrlich weit gebracht hat, die Seele als ein einheitliches Organ zu erfassen. Man kann aus unserer materialistischen Kultur heraus diese Bevorzugung des allgemeinen Mischmasches und Wischi-Waschis über das Seelische, dessen Beschreibung man heute Psychologie nennt, verstehen, gegenüber dem, wie man in der Geisteswissenschaft die wirklichen realen Wesensglieder geschildert findet. Nicht weil man in abstrakter Weise sich das zusammendenkt, teilt man die Seele in Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele ein, sondern weil sie in bezug auf ihre Entstehung verschiedenen Zeiten angehören, und mit verschiedenen Zuständen zusammenhängen. Man kann begreifen, daß die gegenwärtige Geisteskultur so etwas töricht finden kann, aber es charakterisiert sich diese Gegenwarts-Geisteskultur damit nur selber, nicht das, was sie tadelt.

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Cite: GA 156/1914-10-06/p034 · edition original