{"corpus":"steiner","locus":"GA 156/1914-10-07/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie wissen, ich erwähne Persönliches nur, wenn eine sachliche Veranlassung dazu da ist. Ich muß jetzt manchesmal, wenn ich die Gedanken auf die Evolution der Menschheit lenke, eines schwachen Versuches gedenken, den ich als ganz junger Mensch machte. Es war diese Schrift das zweite, was von mir überhaupt gedruckt worden ist. Ich versuchte dazumal - kindlich selbstverständlich, denn ich war ja erst 23 oder 24 Jahre alt - jenen Fortschritt mir klarzumachen von dem, was Shakespearesche Gestalten sind, zu dem, was der Goethesche Faust ist. Durch Shakespeare ist etwas geschaffen worden, was gerade in seinem Zeitalter geschaffen werden mußte, in dem Menschen nur dargestellt werden konnten als Menschentypen, in einer solchen Art und Weise, daß die Art, wie sie dargestellt sind, unmittelbar eine Entfaltung ihrer inneren Seelenkräfte zeigt. Der Fortschritt im Goetheschen «Faust» liegt darin, daß Goethe nicht die einzelnen Gestalten als einzelne Typen hingestellt hat - wie Hamlet, Lear, Macbeth und so weiter bei Shakespeare -, sondern den Faust als den Menschen unseres Zeitalters. Faust kann man nur einmal in eine Dichtung hineinstellen; das, was Shakespeare zu geben hatte, konnte in vielen Menschentypen vor die Menschen hingestellt werden. Man muß so die Vielfältigkeit des menschlichen Geisteslebens in der Evolution ins Auge fassen, daß in jedem Zeitalter gerade das geschehen muß, was als das Charakteristische dieses Zeitalters sich ausspricht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zeiten der Erwartung","site_heading":null,"date":"1914-10-07","location":null,"word_count":219,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/156/1914-10-07/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/156/1914-10-07/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/156/1914-10-07/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 277a/1914-10-07","ga":"277a","lecture":"1914-10-07","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}