Zeiten der Erwartung

GA 156/1914-10-07/p020 ·1914-10-07 · original (original)
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Und wenn wir heute suchen, so recht eine Seelenstimmung, so recht ein tiefes Gefühl zu finden vom Angegliedertsein der Menschenseele an die höheren Hierarchien, so ist das wirklich - so wie es uns in der Geisteswissenschaft entgegentritt - in einem gewissen Sinne die Erfüllung von Erwartungen, von Erwartungen, die so da waren in der Menschheitsentwickelung, daß man sagen kann: Gerade solche repräsentative Geister wie Herman Grimm drückten in ihrer Art tiefste Sehnsucht aus nach etwas, worauf sie warteten, und was so gegeben werden muß, wie wir heute schildern die höheren Hierarchien und ihr Verhältnis zum Menschen. Sehen Sie, am tiefsten, so recht am seelenhaftesten, man möchte sagen am seelenkernkräftigsten konnte das ein Geist wie Herman Grimm ausdrücken. Und gerade an ihm zeigt sich immer wiederum, wo wir seine Bücher auch aufschlagen, wie mit seiner Persönlichkeit die Erwartung der Geisteswissenschaft verbunden ist, die von ihm aber, als sie ihm flüchtig entgegentrat, nicht verstanden werden konnte. Es mußte eben erst so etwas eintreten, wie es nach Christian Morgensterns Tod da war.

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Cite: GA 156/1914-10-07/p020 · edition original