Zeiten der Erwartung
So tritt der Moment auf, wo, man möchte sagen, in seiner vornehm stillen Art Herman Grimm dazu kommen konnte, einen höchsten Moment darin zu erblicken, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. Das ist auch ein Gestus dieser Welt, von unsagbarer Bedeutung. Ich weiß, daß viele sich daran gestoßen haben, aber man muß die Dinge in ihrem tieferen Zusammenhang nehmen. Viele haben sich daran gestoßen, daß Herman Grimm ein Faktum erwähnt, das ihm passiert ist am Christabend 1876. Aber dieses Faktum ist deshalb bezeichnend, weil es an einen Punkt führt, wo in der neueren Zeit ein Mensch dasteht, der es als natürlich empfindet, wenn ein Monarch der äußeren Welt huldigt dem geistigen Kaiser. So erscheint es mir als ungeheuer charakteristisch für das neuere Geistesleben, wenn Herman Grimm in seinen «Beiträgen zur Deutschen Culturgeschichte» erzählt, wie am Christabend 1876 bei ihm folgender Brief des deutschen Kaisers Wilhelm I. abgegeben wurde:
Cite:
GA 156/1914-10-07/p031 · edition original