{"corpus":"steiner","locus":"GA 156/1914-12-13/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun verstehen Sie, daß unter dieser Voraussetzung bestimmte Perspektiven sich ergeben. Die Perspektive erstens, die in pädagogisch-hygienischer Weise wichtig ist: Es ist nicht zu gering anzuschlagen, einen gut entwickelten Geschmacksinstinkt zu haben. Ich habe das bei einer Gelegenheit, wo ich über die Erziehung des Kindes gesprochen habe, schon einmal für unsere Freunde auseinandergesetzt. Es ist wichtig einzusehen, daß man im Essen eine lebendige Beziehung entwickeln soll zu den verschiedenen Nahrungsmitteln, daß es einem gewissermaßen nicht einerlei ist, ob man Salat oder Spinat ißt, sondern daß man ein lebendiges Verhältnis haben soll zu den Differenzierungen der Pflanzenwelt in Salat und Spinat. Denn das, was man erlebt im Schmecken von Salat und Spinat, sind lebendige Beziehungen des Makrokosmos zum Mikrokosmos, und diese lebendigen Beziehungen setzen sich im unterbewußten Geschmackserleben des Astralleibes fort, das durch alle Organe geht. Diejenigen, die Vegetarier werden zum Beispiel, sollten durchaus damit nicht eine falsche Askese verbinden, indem sie ihr Vegetarierwerden etwa dazu verwenden, um sich möglichst abzustumpfen gegen das freundschaftliche Verhältnis zu dem Wesen der Natur, sondern sie sollten gerade das ausbilden, feine Unterschiede zu erschmecken gegenüber den einzelnen Nahrungsgattungen. Man kann das besonders gut als Vegetarier, weil man da in die Lage kommt - wenn das Wort nicht mißverstanden wird, möchte ich sagen -, jene feinen raffinierten Unterschiede zu schmecken zwischen den einzelnen Pflanzen und dem, was man als Speise von ihnen bereitet, während man ja natürlich, wenn man nicht Vegetarier ist, bei den Fleischspeisen brutalere Unterschiede hat. Denn wenn wir uns in dieser Beziehung abstumpfen, droht es uns wirklich, diese Abstumpfung von dem bewußten Teil der astralischen Geschmackserlebnisse fortzusetzen in den unterbewußten Teil der Geschmackserlebnisse. Damit aber unterbinden wir die lebendigen Einwirkungen, die von dem Astralleib ausgehen auf die unteren Glieder unseres Organismus. Und es ist ein unbehaglicher Anblick, in manches vegetarische Restaurant zu kommen und zu sehen, wie sich die Leute auf den Teller ein Gebirge von allen möglichen durcheinandergemischten Nahrungsmitteln häufen und das ohne Verständnis in den Mund hineinstopfen, und sich dabei noch besonders erhaben geben über dasjenige, was der gewöhnliche Mensch als ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Naturumgebung in bezug auf die Geschmackserlebnisse hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1914-12-13","location":null,"word_count":352,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/156/1914-12-13/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/156/1914-12-13/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/156/1914-12-13/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}