Zweiter Vortrag
«Die Zeit», sagt Fichte - er meint alle die Menschen der Zeit, die sich nicht vorstellen können, daß ein Neues aus dem Alten hervorgehen könne - «die Zeit erscheint mir wie ein Schatten, der über seinem Leichnam, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle und verzweifelt alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der anderen Welt, in die die Abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begrüßen sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern» - damit meint er die andern Geistwesen, von denen wir umgeben sind -, «und heißen sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Inneren nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln; aber noch hat sie kein Gefühl für diese Lüfte oder Gehör für diese Stimmen oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit welchem sie zugleich sich selbst verloren zu haben glaubt.»
Cite:
GA 156/1914-12-13/p026 · edition original