Zweiter Vortrag
Bei diesem Bau soll nicht eine Sünde begangen werden gegen das naive Leben und Empfinden der Menschen. Diese Sünde glauben ja alle diejenigen an sich oder an den andern nicht zu begehen, die immer wieder und wieder betonen, das künstlerische Schaffen müsse möglichst unbewußt verlaufen. In Wahrheit ist es nur bequemer, wenn das künstlerische Schaffen unbewußt verläuft, als wenn es zum Wissen erhoben wird. Denn das Wissen, wenn es ein Wissen vom Kosmos wird, ist ebenso naiv wie das primitive Unbewußste, das so häufig im Leben aus der Bequemlichkeit der Menschen heraus als das in der Kunst Notwendige hingestellt wird in Redensarten, wie ich sie eben angeführt habe.
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GA 156/1914-12-13/p030 · edition original