Dritter Vortrag

GA 156/1914-12-19/p008 ·1914-12-19 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das ist das eine, wo wir so recht fühlen, wie ohnmächtig der Mensch gewissermaßen gegenüber der vollsaftigen, vollinhaltlichen Wirklichkeit mit seinem Vorstellungsleben ist. Das andere ist, wenn wir eintreten in die Welt der schaffenden Phantasie. Wir können in dieser Welt der schaffenden Phantasie uns vor die Seele rufen Gebilde des Schönen, Gebilde des Befriedigenden, und wir können fühlen, wie wir nicht imstande sind, mit dem, was wir da in unserer Phantasie gewissermaßen uns vorzaubern, irgendwie hineinzudringen in das wirkliche Sein. Von den Empfindungen, die man gegenüber dieser Welt von Phantasiebildern haben kann, gehen ja die mehr materialistisch gesinnten Menschen aus. Sie sagen: Wenn ihr euch Vorstellungen macht über eine höhere geistige Welt, über Gott und die Geisteswelt, was verbürgt euch denn, daß diese Vorstellungen, die ihr euch da macht, etwas anderes sind als Gebilde der Phantasie? Was verbürgt euch denn, daß ihr mit diesen Vorstellungen, wenn sie euch auch eine noch so tiefe Beseligung verschaffen, eindringt in eine Welt echter Wirklichkeit? Was den Empfindungen zugrunde liegt gegenüber dieser Ohnmacht des Vorstellens, des Ideenbildens, das hat geführt zu dem, man kann sagen, jahrtausendealten philosophischen Ringen in bezug auf die Frage: Wie kann der Mensch mit seinen Begriffen, seinen Vorstellungen, in eine Wirklichkeit hineindringen ?

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/156/1914-12-19/p008.json
Cite: GA 156/1914-12-19/p008 · edition original