Dritter Vortrag
Nun erinnern wir uns an etwas, was öfter besprochen worden ist in diesem oder jenem Zusammenhange, was uns aber gerade gegenüber diesen Welträtseln nützlich sein kann. Es ist oft davon gesprochen worden, was unser Gedanken-, Sinnes- und Vorstellungsleben eigentlich ist. Ich habe gesagt, es ist im Grunde genommen eine Art Spiegelung. Es ist in der Tat so - ich habe das hier einmal besonders deutlich auseinandergesetzt -, daß wir es beim Menschen zu tun haben mit dem, was ich schematisch hier etwa so andeuten will: Dies ist der physische Leib. Außerhalb dieses physischen Menschen lebt gleichsam in dem unendlichen Weltenall ergossen dasjenige, was das eigentlich seelisch-geistige Wesen des Menschen ist, und im wachen Tagesleben erstreckt sich dieses geistig-seelische Wesen in das leiblich-seelische Wesen hinein. Dadurch entsteht eine Spiegelung, und diese Spiegelung ist eigentlich das, was wir als den Inhalt unseres wachen Tageslebens empfinden. Wirklich, unser Leib ist wie ein Spiegel, und wie wir den Spiegel nicht sehen, sondern das, was sich im Spiegel abspiegelt, so sehen wir, wenn der Mensch wach ist, im Grunde genommen nicht das, was im Leibe vorgeht, sondern wir sehen das Spiegelbild, das, was sich in ihm von der äußeren physischen Welt spiegelt.
Cite:
GA 156/1914-12-19/p011 · edition original