Dritter Vortrag

GA 156/1914-12-19/p029 ·1914-12-19 · original (original)
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So können wir sagen, die geistigen Wesenheiten, indem sie uns dem physischen Plan überlieferten, haben uns herausgeholt aus der Welt wirklicher Realität und in eine Welt der Irrealität versetzt. Und wir erkennen das geradezu zunächst als eine Tatsache des geistigen Weltenzusammenhangs, wenn auch noch nicht des Weltenplanes. Als eine Tatsache des Weltenplanes erkennen wir es erst, wenn wir die Frage aufwerfen: Warum sind wir, insofern wir Wesen der realen physischen Welt sind, in eine Welt der irrealen Bilder hineinversetzt? Warum? - Nehmen wir an, wir wären es nicht, nehmen wir an, wir wären so auf den physischen Plan versetzt, daß wir nicht Bilder, sondern Realitäten hätten. Was heißt das denn eigentlich? Das würde heißen: Wir stehen wahrnehmend der physischen Welt gegenüber; wir hören zum Beispiel einen Tonzusammenhang; die Wirkung dieses Tonzusammenhangs geht in unser Ohr, in unsere Gehörnerven hinein und bewirkt dort eine Veränderung. Würden wir bloß das genießen, was da in den Gehörnerven vorgeht und es nicht hinaufprojizieren können in unsere Vorstellungen, dann würden wir in der Realität drinnen sein; wir würden nicht Bilder, sondern Realitäten haben. Das ist aber nicht der Fall. Wir sind wirklich herausgeworfen aus der Welt der Realitäten und hineinversetzt in eine Bilderwelt, in eine Welt der Irrealitäten. Wären wir wirklich in der Welt der Realitäten, in einer Welt der Wirklichkeit, dann könnten wir niemals die Möglichkeit bekommen, selber einer Welt Realität zu geben, denn dem, was wir als Realität erleben, können wir nicht selbst Realität geben. Ein Gegenstand, den ich von außen in die Hand nehme, ist irgend etwas. Er ist nicht nur ein Bild, der Gegenstand ist etwas. Ebensowenig wie ich den Tisch schieben kann, den ich im Spiegel sehe, ebensowenig kann ich irgend etwas Reales anfangen mit der Welt, die mir nur in Bildern gegeben ist. Aber wenn es sich darum handelt, daß wir selber Realitäten schaffen, dann ist es gerade richtig, daß wir in einer Welt von Bildern leben, denn dann haben zwar die Bilder keine Realität, wir können ihnen aber Realität verleihen. Tun wir das?

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Cite: GA 156/1914-12-19/p029 · edition original