Dritter Vortrag
Was soll denn dieser unser Bau anderes sein, als dasjenige, an dem wir teilnehmen - insbesondere jene, die daran arbeiten -, teilnehmen als an einem Gemeinsamen, an einem Zusammenfließen der Gesinnungen, welche die Geisteswissenschaft erweckt! Das ist das ungeheuer Wichtige und Bedeutungsvolle. Wird in dieser Gesinnung der Bau aufgerichtet, dann wird er nicht nur dieser trockene Bau sein mit seinen Formen, sondern wird etwas sein, was weit in die Welt hinausstrahlt; er wird das sein, was in liebevollem Schaffen, in echtem zusammenwirkendem Schaffen diejenigen hingestellt haben, die daran gewirkt haben. Was diese haben hineinströmen lassen in den Bau, was sie gleichsam zurückgelassen haben in diesem Bau mag es selbst die kleinste Tätigkeit sein, mag diese Tätigkeit noch so lose zusammenhängen mit diesem Bau -, ist sie gerichtet in Liebe nach dem, was der Bau sein soll. Und entströmt sie derjenigen menschlichen Gesinnung, die aufgehen will in der kosmischen Ordnung, dann wird dieser Bau etwas sein, was nicht bloß ein Totes ist, sondern ein Lebendiges, ein wirklich Lebendiges.
Cite:
GA 156/1914-12-19/p039 · edition original