Zweiter Vortrag

GA 157/1914-10-31/p009 ·1914-10-31 · original (original)
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Ein Weistum darf vor allem in diesen Tagen vor unsere Seele treten, weil wir ja verstehende Liebe, liebendes Verständnis desjenigen suchen, was um uns herum vorgeht, ein Weistum kann insbesondere vor unsere Seele treten, eine Erkenntnis, die ja im Grunde genommen im Mittelpunkte steht von alledem, was wir erkenntnismäßig erstreben. Aber sie muß eben in diesen Tagen vor unsere Seele treten mit all dem tiefen Ernst und der sittlichen Würde, die in ihr ist. Das ist die Erkenntnis — sie ist uns Ja schon zur einfachsten, elementarsten Erkenntnis des geistigen Lebens geworden von der Wiederkehr der Erdenleben, die Wahrheit, daß unsere Seele im Laufe der Zeiten von Leib zu Leib schreitet. Dem gegenüber, was da als das Ewige im Menschen von Leib zu Leib eilt in der Aufeinanderfolge der irdischen Inkarnationen des Menschen, steht das, was mit dem leiblich-physischen Dasein des Menschen zusammenhängt, steht das auf dem physischen Plan, was diesem äußeren physisch-leiblichen Dasein des Menschen die Konfiguration, die Formation, das Gepräge gibt. Und zu alledem, was dieses äußere Gepräge gibt, was gleichsam den Charakter des Menschen bedingt, insofern er in einem physischen Leibe auf dem physischen Plan lebt, gehört insbesondere dasjenige -— wir dürfen in keinem Augenblicke, besonders in dieser Zeit, das vergessen —, was man zusammenzufassen hat unter dem Ausdruck der Nationalität. Wenn wir den Seelenblick auf das richten, was wir als des Menschen höheres Selbst bezeichnen, da verliert der Ausdruck Nationahität seine Bedeutung. Denn zu alledem, was wir ablegen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gehört der ganze Umfang desjenigen, was sich befaßt mit dem Ausdruck der Nationalität. Und wenn wir im Ernste dasjenige sein wollen, als was wir uns als geistig strebende Menschen wissen wollen, so geziemt es sich für uns, daran zu denken, daß der Mensch, indem er durch seine aufeinanderfolgenden Inkarnationen geht, nicht einer, sondern verschiedenen Nationalitäten angehört, und daß das, was ihn mit der Nationalität verbindet, eben zu demjenigen gehört, was abgelegt wird, in dem Augenblicke abgelegt werden muß, da wir durch die Pforte des Todes gehen.

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Cite: GA 157/1914-10-31/p009 · edition original