{"corpus":"steiner","locus":"GA 157/1915-01-19/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Versuchen wir einmal hinzublicken auf jene theosophische Bewegung, mit der wir äußerlich eine Zeitlang verbunden waren, auf die englische theosophische Bewegung. Versuchen Sie da einmal eine Brücke sich zu bauen zwischen dem, was sonst englisches Geistesleben ist, bis in die Philosophie herein, und demjenigen, was englische Theosophie ist: sie stehen äußerlich nebeneinander, sind zwei äußerlich nebeneinander laufende Strömungen, und eine Brücke zwischen beiden ist etwas, was auch nur in ganz äußerlicher Weise gezogen werden kann. Versuchen Sie dagegen das deutsche Geistesleben ins Auge zu fassen, wie es sich durch die deutschen Mystiker vorbereitet hat in Meister Eckhart und Johannes Tauler, und dann in Jacob Böhme und Angelus Silesius weiter sich entfaltet hat, wie es in Lessing zu der Anerkennung der Idee der wiederholten Erdenleben geführt hat, und wie es in Goethes «Faust» geradezu eine Glorifizierung des Hinaufsteigens in die geistigen Welten darstellt, da haben Sie den geraden Weg von den äußeren Welten aus in die geistige Welt. Und wenn Sie nun dazu nehmen, was von Goethes «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» geführt hat bis zur Dramatisierung der Grundkräfte der Einweihung, und beide Strömungen zusammenhalten, dann haben Sie darin den innerlichen Zusammenhang. Es ist ein innerlicher Zusammenhang zwischen dem, was zuletzt als Geisteswissenschaft erscheint, und dem, was ganz exoterisch in der physischen Welt als Geistesleben erstrebt wird. Denn selbstverständlich wird dieses Geistesleben, das außerhalb der Geisteswissenschaft entfaltet wird, mit den Kräften des Gehirns erstrebt, aber es drängt hin zu dem, was außerhalb des Leibes gefunden wird. Man möchte sagen: es ist die Mission des deutschen Volkes, daß es gar nicht anders kann als mit dem, was es erstrebt, zuletzt einzumünden in das spirituelle Leben. Das heißt aber nichts anderes, spirituell gesprochen, als daß das deutsche Volk dazu berufen ist, innerlich sich zu verbinden mit dem, was in die Welt kommt durch die Anführerschaft des Michael. Ein solches Sichverbinden wird nicht dadurch erreicht, daß man sich passiv, wie fatalistisch, den Schicksalsmächten überläßt, sondern daß man erkennt, welches die Aufgabe der Zeit ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-01-19","location":null,"word_count":334,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/157/1915-01-19/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/157/1915-01-19/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/157/1915-01-19/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}