Siebenter Vortrag

GA 157/1915-02-22/p035 ·1915-02-22 · original (original)
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Bei der ersten Persönlichkeit, von der ich gesprochen habe, war es wirklich so — Sie wissen ja, in welchem Sinne ich solche Dinge sage: nur um der Erkenntnis zu dienen, nicht um in irgendeiner Weise eine Renommisterei zu treiben —, daß ich die Persönlichkeit eben auch kennengelernt habe auf dem physischen Plan, nachdem sie in die Gesellschaft eingetreten war. Man erlebt ja einiges mit, was sich abspielt, während die Persönlichkeiten hier in unserer Gesellschaft sind; aber unsere Freunde werden wissen, daß es nicht meine Art ist, mich irgendwie über die Lebensverhältnisse oder dergleichen besonders zu erkundigen oder das oder jenes zu fragen, was die betreffenden Persönlichkeiten im physischen Leben hier gelebt haben und so weiter. Nicht eine persönliche, aber, ich möchte sagen, eine Erkenntnisbefriedigung war es mir, als ich nun die eine Persönlichkeit in einer kleinen Leichenrede weiterhin auch charakterisierte, wie sie ihrer Seele nach war, wie sie das Leben hier auf Erden durchlebt hatte. Ich hatte nichts dabei vor mir als die Seele nach dem Tode. Nicht nur, daß sie diese Worte aussprach, die ich zuerst gelesen habe, sondern die Seele hatte ich vor mir, wie sie nun war nach dem Tode, wie die Eigentümlichkeit war nach dem Tode. Ich hatte nichts anderes vor mir. Ich kannte eigentlich kaum irgend etwas, was mit ihr geschehen war, bevor sie in unsere Gesellschaft eingetreten war, und auch nicht besonders viel von dem Leben, was nicht in Versammlungen und so weiter verlaufen war oder den Gelegenheiten, wie man sonst ab und zu unsere Mitglieder trifft. Ich kannte nichts weiteres. Dennoch hatte ich gerade in diesem Falle, wie einer inneren Notwendigkeit gehorchend, bei der Bestattung mich veranlaßt sehen müssen, über bestimmte Lebensverhältnisse zu sprechen, Verhältnisse, die sich auf das ganze Leben bezogen; das Verhältnis der verstorbenen Persönlichkeit, die ein hohes Alter erreichte, zu ihren Kindern und zu ihrer Arbeit im Leben. Und wie gesagt, es war mir nicht eine persönliche, sondern eine Erkenntnisbefriedigung, als dann die Verwandten mir sagten: Wir haben eigentlich die betreffende Persönlichkeit so recht erkannt aus dem, was da gesprochen wurde, denn jedes Wort charakterisiert sie ganz intensiv. Es war also das Bild auch des individuellen Lebens während des physischen Lebensganges getroffen, zu dem nur die Möglichkeit vorhanden war — nun nachdem sich dieses Leben zusammengezogen hatte in der Seele -, die in der Seele zusammengezogenen Resultate zu sehen. Was uns aber für die Erkenntnis besonders interessiert ist dieses, daß wir gerade an dieser Seele die intensive Notwendigkeit wahrnehmen, nach dem Tode den Geistesblick hinzurichten auf das eigene Leben. Denn es war wirklich nicht mein Verdienst, dieses eigene Leben der betreffenden Persönlichkeit charakterisieren zu können, sondern der Vorgang war der, daß, obwohl die Persönlichkeit damals nicht bewußt war, sie dennoch ihr Seelenwesen hinlenkte — sich vorbereitend dadurch für ihr späteres, bewußtes Nach-dem-Tode-Leben -, hinlenkte die Kräfte, die später bewußt werden sollten, auf das eigene Leben, auf das eigene Erleben. Und dasjenige, was ich zu sagen hatte, das war dann in diesen Gedankenbildern, die im Hinlenken der Seele auf ihre eigenen Erlebnisse bestanden, zu sehen. Also ich hatte zu schildern dasjenige, was die Persönlichkeit unbewußt über sich dachte nach dem Tode. Und dasjenige, was uns wichtig dabei ist, was hervorzuheben ist, das ist, daß eben die Persönlichkeit nach dem Tode die intensive Notwendigkeit fühlte, unbewußt gerade den Blick hinzurichten auf die eigene Wesenheit.

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Cite: GA 157/1915-02-22/p035 · edition original