Achter Vortrag

GA 157/1915-03-02_02/p011 ·1915-03-02 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das Tor des Todes ist seit uralten Zeiten immer wiederum da, wo man von Mysterienwahrheiten gesprochen hat, wirklich besprochen worden. Dieses Tor des Todes kann nicht erreicht werden, wenn wir es nicht zu erreichen suchen durch dasjenige, was uns ja hinlänglich bekannt ist unter dem Namen Meditation, das heißt Hingabe an irgendwelche, gerade für unsere Individualität geeignete Gedanken oder Empfindungen, die wir so in den Mittelpunkt unseres Bewußstseins hineinstellen, daß wir uns ganz mit ihnen identifizieren. Natürlich erlahmt sehr leicht gerade auf diesem Wege die menschliche Anstrengung, weil es ja wirklich Unbequemlichkeit und Überwindung von inneren Hemmnissen gibt und geben muß, wenn man immer wiederum die stillen intimen Anstrengungen zu machen hat, sich den gegebenen Gedankenmassen, den gegebenen Empfindungen so hinzugeben, daß man die ganze Welt vergißt und nur in diesen Gedanken, in diesen Empfindungen lebt. Aber man wird eben, wenn man das immer wiederum zustandebringt, in die Lage kommen, in dem Gedanken, den man in den Mittelpunkt des Bewußstseins rückt, nach und nach etwas wahrzunehmen wie eine Art selbständigen Lebens dieses Gedankens. Man wird das Gefühl bekommen: bisher hast du diesen Gedanken immer nur gedacht; du hast den Gedanken in den Mittelpunkt des Bewußtseins gestellt; jetzt fängt er aber an, ein eigenes Leben, eine eigene innere Regsamkeit zu entwickeln. Es ist, wie wenn man in die Lage käme, ein Wesen wirklich in sich hervorzubringen. Der Gedanke fängt an, ein innerliches Gebilde zu werden. Das ist der wichtige Moment, wenn man merkt, daß dieser Gedanke, diese Empfindung ein Eigenleben hat, so daß man sich gleichsam wie die Hülle dieses Gedankens, dieser Empfindung fühlt. So daß man sich sagen kann: deine Anstrengungen haben dich dazu gebracht, einen Schauplatz abzugeben, auf dem sich etwas entwickelt, was jetzt durch dich zu einem eigenen Leben kommt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/157/1915-03-02_02/p011.json
Cite: GA 157/1915-03-02_02/p011 · edition original