Achter Vortrag

GA 157/1915-03-02_02/p015 ·1915-03-02 · original (original)
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Ja, sehen Sie, die Sache ist aber diese, daß Einheit und Vielheit überhaupt Begriffe sind, die nur für die physische Welt Geltung haben. Und nun glaubt man, in der geistigen Welt müßten diese Begriffe auch gelten. Da gelten sie aber nicht. Da muß man sich darauf gefaßt machen, daß man zwar eine Einheit erblickt, aber daß man diese Einheit im nächsten Augenblick überwinden muß, und daß sie sich als Vielheit zeigt. Sie ist zugleich eine Einheit und eine Vielheit. Man kann auch nicht in die geistige Welt das gewöhnliche Rechnen, die physische Mathematik hineintragen. Das gehört zu den stärksten, aber auch intimsten ahrimanischen Vorurteilen, daß man die Begriffe, die man sich angeeignet hat in der physischen Welt, so wie sie sind, in die geistige Welt hineintragen will. Aber man muß wirklich ohne Sack und Pack, ohne beschwert zu sein mit dem, was man in der physischen Welt gelernt hat, ankommen an ihrer Schwelle; bereit, es an ihrer Schwelle zurückzulassen. Alle Begriffe, gerade auch diejenigen Begriffe, um die man sich am meisten abgemüht hat, muß man zurücklassen und sich darauf gefaßt machen: da, in der geistigen Welt, da werden einem auch neue Begriffe gegeben, da wird einem ganz Neues gewährt. Dieses Hängen an dem, was die physische Welt gibt, ist ungeheuer stark beim Menschen. Er will dasjenige, was er in der physischen Welt erobert hat, hineintragen in die geistige Welt. Aber er muß die Möglichkeit haben, vor einer vollständigen Tabula rasa zu stehen, vor einer vollständigen Leerheit zu stehen, und nur den Gedanken, der anfängt sich zu beleben, seinen Führer sein lassen. Man hat diesen Eingang in die geistige Welt die Pforte des Todes genannt aus dem Grunde, weil es eigentlich wirklich ein stärkerer Tod noch ist als der physische Tod. Im physischen Tode sind die Menschen überzeugt davon, daß sie ihren physischen Leib ablegen; aber wir müssen uns entschließen bei dem Eintritt in die geistige Welt, auch wirklich unsere Begriffe, unsere Vorstellungen und Ideen abzulegen und unser Wesen neu aufbauen zu lassen.

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