Achter Vortrag

GA 157/1915-03-02_02/p021 ·1915-03-02 · original (original)
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Zuerst, wenn man gegangen ist durch das Tor des Todes, erreicht man das, daß mit einem in der geistigen Welt das oder jenes getan wird. Daß man selbst tun lernt in der geistigen Welt, das erlangt man eben, indem man sich mit seinem Schicksal identifiziert. Man erlangt es erst allmählich. Dann gewinnen eben die Gedanken eine Wesenheit, die mit unserer eigenen Wesenheit identisch ist. Die Taten von unserer Wesenheit kommen in die geistige Welt hinein. Aber um dies in der richtigen Weise zu tun, hat man eben durch das zweite Tor zu gehen. Indem man beginnt, mit der Kraft, die einem wird aus der Identifikation mit dem Schicksal, im Gedanken weben zu wollen so, daß man nicht bloß mitgeht mit dem Gedanken wie mit einem Traumbild, sondern daß man unter Umständen diesen oder jenen Gedanken auslöschen kann und einen anderen heraufholen kann, daß man also mit Willen hantieren kann, wenn das so beginnt, muß man wirklich diese Erfahrung durchmachen, die man das Durchgehen durch das zweite Tor nennen kann. Und da zeigt sich, daß sich dasjenige, was man nun als Willenskraft braucht, wie ein eigentlich furchtbares Ungeheuer darstellt. Man hat es immer in der Mystik seit Tausenden und Tausenden von Jahren die Begegnung mit dem «Löwen» genannt. Diese Begegnung mit dem Löwen muß man durchmachen. Sie besteht darin, in bezug auf das Fühlen, daß man vor dem Tun in der Gedankenwelt, vor diesem Lebendig-sich-Verbinden mit der Gedankenwelt, eigentlich wirklich —- man kann es so nennen — eine heillose Furcht bekommt, die man ebenso überwinden muß wie die Einsamkeit an der Pforte des Todes. Furcht bekommt man. Diese Furcht, die kann einern in der mannigfaltigsten Weise sich als dieses oder jenes Gefühl vortäuschen, das gar nicht Furcht ist. Aber es ist doch im wesentlichen Furcht vor dem, wo man da hineinkommt. Und das, worauf es ankommt, ist, daß man wirklich die Möglichkeit finder, dieses Tier, dem man begegnet, diesen Löwen zu beherrschen. Denn in der Imagination stellt sich einem das richtig so dar, als wenn er sein riesenhaftiges Maul aufsperrte und einen verschlingen wollte. Jene Willenskraft, die man anwenden will in der geistigen Welt, sie droht einen eigentlich zu verschlingen. Man ist fortwährend von dem Gefühl beherrscht: du sollst wollen, du mußt etwas tun, mußt dieses oder jenes ergreifen. Aber von all diesen Elementen des Wollens, in die man hineingeht, hat man das Gefühl: wenn du es ergreifst, verschlingt es dich, löscht dich aus in der Welt. Das ist das Verschlingen durch den Löwen. Also, man muß wirklich — bildlich kann man es so nennen -, statt sich der Furcht hinzugeben, daß darinnen in der geistigen Welt einen die Willenselemente ergreifen und verschlingen und erwürgen, sich auf den Rücken des Löwen schwingen und diese Willenselemente ergreifen, muß von sich aus zum Handeln sie benützen. Das ist es, worauf es ankommt.

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Cite: GA 157/1915-03-02_02/p021 · edition original