Achter Vortrag

GA 157/1915-03-02_02/p026 ·1915-03-02 · original (original)
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Wenn wir den Drachen nicht schauen am Tor der Sonne -— man nennt es das Tor der Sonne, weil gerade in den Sonnenkräften die Kräfte leben, aus denen auch der Drache gewoben ist, denn die Sonnenkräfte sind es, die bewirken, daß wir verdauen und die anderen organischen Verrichtungen vollziehen, es ist wirklich durch das Zusammenleben mit der Sonne -, wenn wir also den Drachen nicht schauen am Tor der Sonne, dann verschlingt er uns, dann werden wir in der geistigen Welt eins mit ihm. Dann sind wir nicht mehr unterschieden von dem Drachen, dann sind wir eigentlich der Drache, der erlebt in der geistigen Welt. Und er kann Bedeutungsvolles erleben, er kann gewissermaßen großartige Erfahrungen machen. Erfahrungen, welche, ich möchte sagen, einschmeichelnder sind als diejenigen, die man macht am Tor des Todes oder hinter dem Tor des Todes. Die Erfahrungen, die man macht am Tor des Todes, sind zunächst farblos, schattenhaft, intim, so leicht und intim, daß sie uns leicht entschwinden, daß wir gar nicht sehr geneigt sind, die Aufmerksamkeit zu entfalten, um sie festzuhalten. Und wir müssen immer wiederum uns anspannen, dasjenige, was da leicht im Gedanken sich belebt, sich vergrößern zu lassen. Es vergrößert sich zuletzt zu einer Welt. Aber, bis es auftritt als farben-, töne-, lebensdurchdrungene Wirklichkeit, das fordert langes, energisches Arbeiten und Streben. Denn man muß gewissermaßen diese farb- und tonlosen Gestalten sich beleben lassen überall aus der Unendlichkeit her. Will man zum Beispiel den einfachsten Luft- oder Wassergeist entdecken durch, man kann es jetzt nennen, Kopfhellsehen — gemeint ist das Hellsehen, was entsteht durch Belebung des Gedankens -, dann ist zunächst dieser Luft- oder Wassergeist etwas, was so leicht und schattenhaft über den Horizont der geistigen Welt hinhuscht, daß es einen gar nicht interessiert. Und wenn er farbig oder tönend werden soll, dann muß aus dem ganzen Umkreis des Kosmos die Farbigkeit an ihn heranrücken. Das geschieht aber erst in langer innerer Arbeit. Das geschieht erst durch Warten, bis man begnadet wird. Denn denken Sie, wenn Sie also — bildlich gesprochen - solch einen kleinen Luftgeist haben, wenn er jetzt in Farben herankommen soll, wenn er gefärbt erscheinen soll, so muß von einem mächtigen Teil des Kosmos die Farbe hereinstrahlen. Man muß die Kraft haben, sie hereinstrahlen zu machen. Diese Kraft kann aber nur durch Hingabe erreicht werden, erworben werden. Die strahlenden Kräfte müssen von außen hereinkommen durch Hingabe. Ist man mit seinem Drachen einerlei, ist man eins mit ihm, dann wird man, wenn man einen Luft- oder Wassergeist sieht, geneigt sein, die Kräfte, die in einem drinnen sind, und gerade in den im gewöhnlichen Leben niedrig genannten Organen drinnen sind, hinauszustrahlen. Das ist viel leichter. Unser Haupt ist an sich ein vollkommenes Organ, aber in dem astralischen Leibe und dem Ätherleib des Hauptes, da ist nicht viel Farbiges darinnen, weil die Farben verwendet sind zum Beispiel um das Gehirn, namentlich die Gehirnschale, zu bilden. So daß, wenn Sie aus dem Haupte heraus durch Kopfhellsehen an der Schwelle der geistigen Welt den Astralleib und Ätherleib herausheben aus dem physischen Leibe, so hat er nicht viel Farbe in sich. Die Farben sind verwendet, um das vollkommene Organ, das Gehirn, zu bilden. Wenn Sie aber im — wir können es nennen Bauchhellsehen aus den Organen des Magens, der Leber, der Galle und so weiter den Astralleib und Ätherleib herausheben, da sind die Farben noch nicht so verwendet, um vollkommene Organe zu bilden. Diese Organe sind erst auf dem Wege zur Vollkommenheit. Dasjenige, was vom Astralleib und Ätherleib des Bauches ist, das ist wunderschön gefärbt, das glänzt und glitzert in allen möglichen Sonnenfarben. Und heben Sie da den Ätherleib und Astralleib heraus, so verleihen Sie den Gestalten, die Sie sehen, die wunderbarsten Färbungen und Tönungen. So daß es vorkommen kann, daß jemand Wunderbares sieht und ganz großartige farbige Gemälde entwirft. Es ist gewiß interessant, denn für den Anatomen ist es ja auch interessant, Milz, Leber und Gedärme zu untersuchen, und es ist dies vom Standpunkte der Wissenschaft auch notwendig. Aber wenn es derjenige, der kundig ist, untersucht, so ist das, was in so schönen farbigen Bildern erscheint, dasjenige, was zwei Stunden nach dem Essen dem Verdauungsprozeß zugrunde liegt. Dagegen ist gewiß nichts einzuwenden, daß man das untersucht. So wie der Anatom die Dinge untersuchen muß, so wird die Wissenschaft einmal viel davon haben, diese Dinge zu untersuchen, zu wissen, was der Ätherleib macht, wenn der Magen verdaut. Aber darüber müssen wir uns ganz klar sein: Wenn wir nicht bewußt an das Tor der Sonne gehen, und dadurch nicht wissen: wir laden all dasjenige, was im Äther- und Astralleib unseres Bauches ist, in diesen Drachen hinein, wir sondern das ab -, dann strahlen wir es hinaus in die Hellseher-Gebilde, dann bekommen wir allerdings eine wunderbare Welt. Das Schönste und leichtest zu Erreichende kommt zunächst nicht von den höheren Kräften, vom Kopfhellsehen, sondern vom Bauchhellsehen. Und das ist durchaus wichtig zu wissen. Denn für den Kosmos gibt es nichts im absoluten Sinne Niedriges, es gibt nur relativ Niedriges. Der Kosmos muß mit ungeheuer bedeutsamen Kräften arbeiten, um das zustande zu bringen, was zum menschlichen Verdauungsapparat notwendig ist. Aber es handelt sich darum, daß wir uns keinen Irrtümern hingeben, keinen Täuschungen uns hingeben, sondern daß wir wissen, was die Dinge sind. Wenn wir wissen, daß irgend etwas, was einen wunderbaren Aspekt darbietet, nichts anderes ist als der Verdauungsprozeß, so ist das außerordentlich wichtig. Wenn wir aber glauben, daß uns durch ein solches Bild vielleicht eine besondere Engelswelt sich offenbare, dann sind wir eben in einem Irrtum befangen. Also nicht dagegen, daß eine Wissenschaft gepflegt wird aus diesem Wissen, kann sich der Vernünftige wenden, sondern nur dagegen, daß etwa solche Dinge in ein falsches Licht gerückt werden. Das ist es, um was es sich handelt. So kann es zum Beispiel vorkommen, daß jemand eben gerade durch einen Vorgang innerhalb des Verdauungsprozesses in einer bestimmten Etappe der Verdauung immer einen bestimmten Teil des Ätherleibes heraushebt; dann kann er ein natürlicher Hellseher sein. Man muß da nur wissen, um was es sich handelt.

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