Elfter Vortrag
Bei der Erde wachsen die Pflanzen vom Boden herauf. Anders ist es, wenn wir dieses «Pflanzenwachstum» beim Menschen beobachten. Da wachsen die Pflanzen so, daß sie die Wurzeln draußen haben, und sie wachsen in den Menschen hinein; die Blüten also müssen wir suchen innerhalb des Menschen. Dieser Mensch ist wirklich sehr schön, ich meine so, wie ihn der hellsehend Gewordene im Schlafe sieht. Er ist gleichsam eine ganze Erde, die sprießt und sproßt, in die hinein eine Vegetation wächst. Dasjenige, was den Anblick beeinträchtigt, das ist, daß wir zu gleicher Zeit den Eindruck haben, daß der Astralleib die Wurzeln benagt. Und das stellt sich als der Verlauf des Schlafes dar. Während die Tierwelt dasjenige, was während des Sommers wächst, verbraucht, aufzehrt von oben herunter, finden wir, daß unser Astralleib in der Tat wie die Tierwelt wirkt, nur benagt er die Wurzeln. Würde das nicht sein, so würden wir jenen Kern nicht entwickeln können, den wir durch die Pforte des Todes hinüberführen. Das, was sich der Astralleib auf diese Weise aneignet, stellt dasjenige vor, was wir als Erträgnis des Lebens in Wahrheit durch die Pforte des Todes tragen. Ich beschreibe die Dinge, wie sie vor dem hellsichtigen Bewußtsein auftauchen. Und geradeso wie der Winter über die Erdenfrüchte kommt und diese Erdenfrüchte hinwegfrostet, möchte ich sagen, so ist das, wenn der Astralleib und das Ich untertauchen in den ätherischen und physischen Leib, ein Wegfrosten desjenigen, was während der Nacht an Vegetation, an geistigem Pilanzenwachstum in unserem Organismus aufgetreten ist.
Cite:
GA 157/1915-04-20/p012 · edition original