Elfter Vortrag
Sie sehen, hier liegt ein Ergebnis vor, von dem wir sagen können, daß bei demselben der Wille gar nichts zu tun hat, denn mit dem Willen konnte Francisci nichts tun; er konnte sich nicht selber schützen, es brach etwas herein, das in das Karma des Menschen so hineinfällt, daß der Mensch weiterleben sollte. Da war es so, daß der das Karma bewirkende Geist schon den rettenden Gedanken hatte. Es ist der Traum die Voraussicht des das Karma lenkenden Geistes, der hinschaut auf das, was am nächsten Tage geschieht, und weil bei diesem jungen Menschen eine solche Seelenanlage da war, daß gleichsam durch natürliche Meditation die Seele schon eine bestimmte Vertiefung erfahren hatte, trat dadurch etwas ein, was ich vergleichen könnte mit etwas im äußeren Leben. Nicht wahr, der Mensch ist ja nur im eingeschränkten Maße ein Prophet in bezug auf das äußere irdische Leben. In gewissem Sinne sind wir alle Propheten, denn Sie alle wissen, daß es morgen zu einer bestimmten Zeit hell werden wird und so weiter, oder daß jemand, der heute übers Feld geht, voraussagen kann, wie es morgen über diesem Felde aussehen wird; aber was er nicht voraussehen wird, ist, ob es zum Beispiel morgen regnen wird auf diesem Felde und so weiter. So ist es auch mit Bezug auf das Innere. Der Mensch lebt gemäß seinem Willen, und das Karma steckt in diesem Willen darinnen. Wie man sich aneignen kann eine empfindende Erkenntnis für das Nächste, so kann bei gewissen Menschen, die eine innere Vertiefung der Seele erleben, ein solcher Lichtpunkt für das Innere gerade für diejenigen Ereignisse eintreten, wo der Wille zu schweigen hat. Für das Studium der Geisteswissenschaft ist es wichtig, manchmal den Blick auf solche Dinge hinzuwerfen, weil es uns zeigt, wie im Menscheninnern durchaus etwas lebt, was in die Zukunft hineinweist und was der Mensch nicht überschauen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Durch den schweigenden Willen kommt das Karma durch.
Cite:
GA 157/1915-04-20/p023 · edition original