Zweiter Vortrag

GA 157a/1915-11-18/p012 ·1915-11-18 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nun, meine lieben Freunde, viele, die heute dem, was wir Geisteswissenschaft nennen, entgegentreten, müssen ja zweifellos das ganz Andersartige desjenigen empfinden, was Geisteswissenschaft vertreten muß, gegenüber dem, was sonst allgemein unter den heute «normal» benannten Menschen vertreten wird. Aber auch da brauchen wir nur darauf zu blicken, wenn wir dies in rechter Weise verstehen wollen, wie doch ganz andersartig die erste Verkündigung des Christentums war gegenüber demjenigen, was bei den damals normal Genannten, etwa den Römern, gang und gäbe war. Mit einem solchen Gedanken muß man sich vertraut machen, wenn immer wieder und wiederum uns entgegnet wird, daß man ja mit den Mitteln, die berechtigte Erkenntnismittel sind, solche Welten nicht erreichen könne wie die, von denen hier die Rede ist. Aber wir müssen auch wirklich die intimere Arbeit in unseren Zweigen so auffassen, daß wir uns sagen: Dieses Leben in unseren Zweigen ist als solches nicht nutzlos. Es ist nicht gleichgültig gegenüber unserer Sache selbst, daß wir in solchen Zweigen zusammenkommen und immer wieder nicht nur die Bekanntschaft mit den theoretischen Ergebnissen unserer Lehre erneuern — darauf kommt es nicht an -, sondern auch das warme Fühlen und Empfinden für die konkreten Dinge und Wesenheiten der geistigen Welt. Dadurch gewöhnen wir uns hinein in die Art und Weise des seelischen Empfindens und Fühlens, die es uns allerdings möglich machen, geistige Wahrheiten anders hinzunehmen als diejenigen, die unvorbereitet sind. Es muß schon in unseren Zweigabenden zuweilen etwas aus den höheren, späteren Partien der geistigen Erkenntnis gesagt werden, man kann nicht immer wieder vom Anfang anfangen. Aber es muß auch dieses Vertrautsein mit dem Zweigleben dem größten Teil der Seelen unserer Freunde die Möglichkeit gewähren, solche Dinge, wie ich sie vorgestern angedeutet habe, die besondere Art der Bewahrheitung unserer geistigen Erkenntnis, in sich aufzunehmen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/157a/1915-11-18/p012.json
Cite: GA 157a/1915-11-18/p012 · edition original