Zweiter Vortrag
Hier im physischen Leben fühlen wir unser Ich dadurch - ich habe das ja schon oft angedeutet —, daß wir in einer gewissen Beziehung zu unserer Körperlichkeit stehen. Sehen Sie, wenn Sie genau auf den Traum achten, so werden Sie sich sagen: im Traume haben Sie kein deutliches Gefühl des Ich, sondern oft ein Gefühl des Losgetrenntseins. Das kommt davon her, daß der Mensch hier auf dem physischen Plan sein Ich eigentlich nur fühlt durch die Berührung mit seinem Leibe. In grober Weise können Sie sich das etwa so vergegenwärtigen: Sie gehen so mit dem Finger durch die Luft — da ist nichts! Sie gehen weiter — da ist immer noch nichts. Indem Sie aber anstoßen, wissen Sie von sich. Sie werden sich gewahr, indem Sie anstoßen. Und so wird auch das Gewahrwerden unseres Ich herbeigeführt. Nicht das Ich selbst — das Ich ist eine Wesenheit -, aber das Ich-Bewußtsein, das Bewußtsein vom Ich. Der Gegenstoß macht uns aufmerksam auf unser Selbst. Also im physischen Leben sind wir ich-bewußt dadurch, daß wir in einem physischen Leibe leben. Dafür haben wir den physischen Leib bekommen. Im Leben zwischen Tod und neuer Geburt haben wir ein Ich-Bewußtsein dadurch, daß wir die Kräfte bekommen haben, die ausgehen von der Anschauung des letzten Lebens. Wir stoßen gewissermaßen an dasjenige, was uns die Raumeswelt gibt, und gewinnen dadurch unser Ich-Bewußtsein für das Leben zwischen Geburt und Tod. Wir stoßen an das, was wir selbst erlebt haben zwischen Geburt und Tod im letzten Leben, und haben dadurch unser Ich-Bewußtsein für das Leben zwischen Tod und neuer Geburt.
Cite:
GA 157a/1915-11-18/p015 · edition original