{"corpus":"steiner","locus":"GA 157a/1915-11-18/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir sind also umringt von Geistumgebung, von lauter Wesen, von lauter Seelen. Und nach und nach prägt sich heraus, gestaltet sich heraus aus dieser allgemeinen Seelenwelt - überall sind Seelen, die wir zunächst nicht kennen; wir wissen: da sind lauter Seelen, aber wir kennen sie nicht im einzelnen -, tritt heraus nach und nach die einzelne Seele bestimmter, konkreter, und es treten heraus namentlich in dieser Zeit die Seelen der Menschen, mit denen wir gelebt haben hier auf dem physischen Plane. Wir lernen erkennen, indem wir der Fülle von Seelen, unter denen wir da sind, gegenübertreten: diese Seele ist der, eine andere Seele ist ein anderer. Wir machen Bekanntschaft mit diesen Seelen. Zunächst müssen wir uns bekanntmachen damit, daß die ganze Art und Weise, wie man dann zur Welt steht zwischen Tod und neuer Geburt, doch eine wesentlich andere ist, auch noch in anderer Beziehung als angedeutet, als die Art und Weise, in der man zur Welt steht hier auf dem physischen Plan. Hier nennen wir die Welt außer uns. Nach dem Tode haben wir wirklich das Bewußtsein, daß die Welt in uns ist. Es sieht aus wie ein paradoxer Vergleich, aber es ist doch so: Denken Sie sich einmal, Sie wurden für einen Moment hier auf der Erde sich ganz verflüchtigen, Sie würden in Dunst aufgehen. Diese Dunstwolke, die Sie selber sind, verbreitet sich mehr und mehr, und sie bleibt erst stehen — nehmen wir für einen Augenblick das Firmament wie eine Wesenheit — als Firmament, da, «wo die Welt mit Brettern verschlagen ist», wie man so sagt. Sie fühlen sich dann als dieses Firmament und schauen nun alles drinnen, so daß Sie mit dem Bewußtsein draußen stehen und die Welt im Innern sehen. Wir fühlen uns so, daß alles, was auftritt, innerlich auftritt. So wie ein Schmerz hier in uns auftritt, so treten nach dem Tode die Wesen in uns auf als Innenerlebnis. Das bewirkt ja das unendlich Intime der Erlebnisse zwischen Tod und neuer Geburt, das Verbundensein mit ihnen, daß man sie als Innenerlebnis eigentlich zuerst hat. Aber da gibt es einen gewissen Unterschied. Sehen Sie, von solch einer Seele, die man anfängt zu erkennen, wie ich es beschrieben habe, von der kann man zunächst wissen: Sie ist da; aber sie hat nicht Gestalt, sie ist noch nicht wahrnehmbar. Um sie wahrnehmbar zu machen, muß man eine innere Tätigkeit verrichten, die etwa folgendes darstellt. Man denke sich ins Geistige übersetzt: Ich fühle etwas hinter mir, was ich nicht sehe, so daß ich mir also die Vorstellung mache, es ist da, aber ich muß? eine Tätigkeit verrichten, um diese Vorstellung zu bekommen. Ich möchte sagen, es ist zu vergleichen damit, daß ich mir nach dem Abtasten von einem Gegenstand eine Zeichnung mache. Also innere Tätigkeit ist notwendig, damit die Imagination auftritt. Ich weiß: das Wesen ist da, aber die Imagination muß ich erst schaffen, indem ich mit dem Wesen mich innerlich verbinde. Das ist die eine Art, wie man Seelen wahrnehmen kann. Die andere Art ist so, daß man diese innere Tätigkeit nicht so hervorragend stark verrichtet, sondern daß sie sich selber macht. Sie tritt auf, ohne daf man viel dazu zu tun hat. Es ist so, wie wenn man hier etwas anschaut, aber natürlich ins Geistige übersetzt. Und dieser Unterschied kann zwischen zwei Seelen vorhanden sein: Von der einen Seele bekommt man eine Anschauung dadurch, daß man viel mittut, von der anderen Seele dadurch, daß einem die Imagination sich von selbst gibt: man braucht nur aufmerksam zu sein. So muß man diesen Unterschied angeben. Denn wenn Sie mit einer Seele so bekannt werden, daß Sie mehr Tätigkeit brauchen, so ist das eine Seele, die verstorben ist. Und eine Seele, die sich mehr von selbst ergibt, ist eine solche, die hier auf der Erde verkörpert ist im physischen Leibe. Diese Unterschiede sind eben wirklich auch da. Der Mensch steht — mit Ausnahmen, die wir ja auch einmal erwähnen können — nach dem Tode sowohl in Verbindung mit solchen Seelen, die verstorben sind, wie mit den Seelen, die noch hier auf der Erde sind. Und der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie man selbst tätig oder passiv sein muß, in welcher Weise die Imagination von der Seele, der man gegenübertritt, entsteht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-11-18","location":null,"word_count":704,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/157a/1915-11-18/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/157a/1915-11-18/p017"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 261/1915-11-18","ga":"261","lecture":"1915-11-18","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}