Dritter Vortrag
Wenn Sie sich erinnern, was gesagt worden ist über die Eigentüumlichkeiten des Seelenlebens in den einzelnen Epochen, so werden Sie noch einen genaueren Einblick gewinnen können. Sehen wir uns zum Beispiel das Leben in der ersten nachatlantischen Epoche an, so finden wir, daß die menschliche Seele vorzugsweise während des Erdenlebens damit beschäftigt ist, die Wechselwirkung ihres eigenen Wesens mit dem Ätherleib auszuwirken, also sozusagen dasjenige so recht zu erleben, was erlebt werden kann, wenn man hauptsächlich hier im Erdenleben in Wechselwirkung steht als Seele mit dem Ätherleibe. Dann in der zweiten nachatlantischen Epoche lebte die Seele alles das aus, was ausgelebt werden kann, wenn man so recht in Wechselwirkung steht mit dem Astralleibe. In der dritten nachatlantischen Kulturperiode lebte die Seele alles das aus, was ausgelebt werden kann durch die Wechselwirkung mit der Empfindungsseele; in der vierten Kulturperiode lebte die Seele aus die Wechselwirkung mit der Verstandes- oder Gemütsseele, und in unserer Zeit wird ausgelebt alles das, was ausgelebt werden kann, wenn man in Wechselwirkung steht mit der Bewußtseinsseele. Je nachdem die Seele, die sich in diesen einzelnen Epochen bewegte in diesen Gliedern der menschlichen Natur, dieses oder jenes erlebte, rückte sie im allgemeinen Weltenfortschritt weiter. Es ist grundverschieden dasjenige, was man in diesen verschiedenen Epochen an Verhältnissen der eigenen Seele zur ganzen Welt erlebt. Davon muß man sich ja schon eine Vorstellung machen können nach dem, was bisher gegeben ist. Nun, in unserer Zeit lebt man also in der Bewußtseinsseele, und die ganze Kultur unserer fünften Kulturperiode besteht ja darinnen, daß die ganze menschliche Seele, das ganze menschliche Ich zur Welt solche Beziehungen anknüpft, die durch das Verhältnis zur Bewußtseinsseele gegeben sind. Was man erleben kann, wenn man in die Bewußtseinsseele seine Kraft hineinschickt, das erlebt man in unserer Epoche.
Cite:
GA 157a/1915-11-20/p005 · edition original