Dritter Vortrag

GA 157a/1915-11-20/p017 ·1915-11-20 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Sehen Sie, hier entwickelt sich eigentlich die Menschheit im Grunde immer mehr und mehr nach einer bestimmten Richtung, man kann sagen, des sogenannten Seinsbegriffes. Und heute ist schon ein gewaltiges Versenktsein in die Vorliebe für den Seinsbegriff vorhanden. Was meine ich eigentlich mit dem Seinsbegriff, mit dem Begriff des Seins? Nun, es laßt ja heute kaum einer noch etwas gelten, was sich nicht gibt als ein «Sein». Wenn irgendeiner kommt, der nicht von etwas spricht, was handgreiflich ist, so wird er für einen Phantasten gehalten. Die Menschen gehen umher und reden von dem «Wirklichen», und demgegenüber ist ein bloßer Gedanke nichts. Es gibt heute unzählige Menschen, die achten den Gedanken deshalb nicht, weil sie nicht von ihm angebissen werden können. «Sein» bedeutet für sie: man bekommt knüppeldick dasjenige, was wahrgenommen wird. Man hat nichts dazu zu tun, daß irgend etwas ist, sondern es gibt sich als seiend. Und was nicht in dieser Weise sich als seiend gibt, das wollen die Menschen immer weniger gelten lassen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/157a/1915-11-20/p017.json
Cite: GA 157a/1915-11-20/p017 · edition original