Dritter Vortrag
Wenn für einen Augenblick die Sache so wäre, daß die Welt, welche die Materialisten lieben, verschwinden würde, daß die Menschen nichts wissen würden von ihrem Leibe, daß sie sich die Imagination erst schaffen müßten, wenn sie nichts von dem Tisch wissen würden, bis sie ihn sich selbst denkend erschaffen würden, dafür aber die geistige Welt sehen würden, so hätten sie für das Leben hier, was sie dort haben in der geistigen Welt. In der geistigen Welt ist die Welt eben nur durch die eigene Tätigkeit zur Anschauung zu bringen. Die jenseitige Welt, also unser Diesseits, ist dort immer da. Während hier der Himmel verborgen ist und nur die Welt, die um uns ist, immer da ist, ist dort die Welt eigentlich verborgen, wenn man sie nicht tätig erst zur eigenen Anschauung bringt. Das Jenseits, unser Diesseits, das ist eine Welt, an die man nicht bloß glauben kann, sondern von der man wissen kann unmittelbar. Aber das, was diese unsere Welt hier, vom Gesichtspunkte der anderen Welt betrachtet, ich möchte sagen, fatal macht, das ist, daß sie mit dem Sein durchdrungen ist. Das stört, daß diese Welt mit dem Sein durchdrungen ist, wirklich, das stört. Wenn viele sagen: Ich wollte schon an eine geistige Welt glauben, wenn ich sie nur hier sehen könnte!, so kann man das vergleichen mit dem, was die Seelen in der geistigen Welt sagen: Ja, diese fortwährend da unten vorhandene physische Welt, man wollte sie schon ertragen, wenn sie nur nicht fortwährend «wäre», wenn sie nur nicht das Sein so aufdringlich in sich hätte. Man kann gar nicht hinunterschauen auf die Erde, ohne daß sie in allen ihren Punkten das furchtbare «Sein» hat.
Cite:
GA 157a/1915-11-20/p020 · edition original