Dritter Vortrag

GA 157a/1915-11-20/p022 ·1915-11-20 · original (original)
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Und für den Geistesforscher stellt sich nun heraus: Von der geistigen Welt sieht man in einer ähnlichen Weise zurück auf das irdische Leben, aber so, daß man als höhere Seele Verlangen trägt danach, daß nicht alles auf dieser Erde bloß «ist», daf} es unter dem, was auf die Erde getreten ist, auch etwas gibt, was nicht im eminentesten Sinne nach Erdenart «ist». Es muß etwas beigemischt sein dem Erdensein, was nicht im gewöhnlichen Erdensinne ist. Und dies stellt sich heraus, ich möchte sagen, als etwas unendlich Bedeutungsvolles, wenn es sich dem Geistesforscher ergibt, bei denjenigen Leben, die veranlagt waren für ein langes Leben und gewaltsam abgeschnitten worden sind, so daß wir einen Teil eines solchen Lebens haben, der vom jenseitigen Standpunkte aus angesehen eigentlich für das Sein bestimmt war und dieses Sein nicht ausgelebt hat. Nehmen wir an, ein Mensch hat, statt bis zum siebzigsten, achtzigsten Jahre nach seinen Lebenskräften, nur bis zum fünfundzwanzigsten, sechsundzwanzigsten Jahre in der Welt gelebt. Dann wurde er, sagen wir, von einer Kugel getroffen. Seine Glieder der Menschennatur wurden plötzlich auseinandergelöst. Der Ätherleib, der Astralleib und das Ich hätten noch lange die Gabe entwickeln können, den physischen Leib zu erhalten. Das, was da noch hätte folgen können nach dem Schüsse, das ist für das Erdendasein bestimmt gewesen; es ist nicht im Sein aufgegangen. Das nimmt sich aber von jenseits aus gesehen so aus, daß man sieht: Da unten ist nicht bloß Seiendes, da unten ist dem Erdensein auch etwas beigemischt, was zum Sein bestimmt ist, aber nicht das Sein durchlebt hat, Sein, das bloß der Anlage nach vorhanden ist. Auch Sein-Sollendes im gewissen Sinne. Daher sind diejenigen, die ihr Leben also früh endigen durch eine äußere Veranlassung, indem sie durch die Todespforte gehen, für die geistige Welt in einem ähnlichen Sinne - nur in einem ähnlichen Sinne, nicht im gleichen Sinne — geistige Boten wie die Idealisten, die hier auf die Erde kommen, um dem Seienden das Sein-Sollende beizumischen. So steigen herauf diejenigen, die früh durch die Pforte des Todes gegangen sind, um dem Himmel Kunde zu bringen, daß da unten auf der Erde auch Sein-Sollendes, nicht bloß Seiendes ist.

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Cite: GA 157a/1915-11-20/p022 · edition original