Der Durchgang Des Menschen Durch Die Todespforte - Eine Lebenswandlung
Besonders tief kann sich dies in unser Gemüt einprägen, wenn wir zwei Menschentypen in bezug auf diesen geistigen Unterschied vor unsere Seelen hinstellen: den auf dem Schlachtfeld gefallenen Krieger, der ganz hingegeben der Aufgabe seines Volkes durch die Pforte des Todes schreitet - der gewissermaßen in dem Augenblick, wo er das Schlachtfeld betritt, wo er sich nur entschließt, das Schlachtfeld zu betreten, sich auch entschließen muß, dem Tode ins Auge zu schauen -, und diesen Menschentypus vergleichen mit dem Asketen. Gerade wenn man ins Auge faßt, was im Menschenleben die Kräfte des Ätherleibes bedeuten, bekommt man eine Vorstellung von dem Unterschied des auf dem Schlachtfeld gefallenen Kriegers und des Asketen. Der Asket arbeitet an sich selbst. Er versucht, so an sich selbst zu arbeiten, daß er das Physische an sich völlig überwindet, daß er noch während der Zeit des Lebens von diesem Physischen frei wird. Dadurch, daß der Asket so arbeitet, vollzieht sich auch eine bedeutende Verwandlung an seinem Ätherleib. Er verbraucht sozusagen in der stärksten Weise die Kräfte dieses Ätherleibes, um sie sich einzuverleiben in sein Ich und seinen Astralleib. Was den Asketen frei macht vom Physischen, das kommt ganz der Individualität zugute, das dient der Umwandlung der Individualität. So daß ein solcher Mensch, der Asket wird, der Menschheit nur auf dem Umwege desjenigen dienen kann, was er aus sich macht. Derjenige aber, der sich vom physischen Leibe in früherer Jugendzeit dadurch frei macht, daß er den kriegerischen Forderungen sich zu ergeben hat, übergibt die Kräfte seines Ätherleibes der Allgemeinheit, er verleibt sie dem allgemeinen Wirken ein. Man muß diesen Unterschied fühlen, es ist ein bedeutsamer Unterschied. Er weist uns wiederum ein bißchen auf das hin, was als Realität im Menschenleben waltet. Und bedeutsam ist es auch, gerade hinzuschauen mit Rücksicht auf dasjenige, was der Ätherleib ist, auf das Durchgehen durch die Todespforte.
Cite:
GA 159/1915-02-19/p009 · edition original