Der Durchgang Des Menschen Durch Die Todespforte - Eine Lebenswandlung
Schwierigkeiten macht auch dieses, sich klare, deutliche Vorstellungen zu machen von der Art, wie der durch die Pforte des Todes Gegangene die Umwelt wahrnimmt. Wir haben in den letzten Wochen eine liebe anthroposophische Freundin durch Feuer bestattet, und nach dem Wunsch der Toten war mir die Aufgabe zugefallen, den an dem Orte des eingetretenen Todes sich versammelnden Freunden eine Bestattungsfeier zu machen. In der Zeit, in welcher ich gesprochen habe und meine Worte an die Tote gerichtet hatte, war die Tote gewissermaßen wie schlafend. Dann wirkte die Wärme, es ergriffen gewissermaßen die Flammen den Leib, und in diesem Augenblick kam wie ein Moment des Bewußtseins über die Seele, wie ein Moment der Orientierung, und da hatte die Tote das ganze Bild desjenigen, was die Bestattungsfeier und die Bestattungsrede war, vor sich, wie man etwas Räumliches gleichzeitig vor sich hat. Die Zeit wird da wirklich zum Raum. Man sieht das Vergangene nicht so, wie man im Leben das Vergangene in der Zeit verlaufend sieht, sondern man sieht wie ein Räumliches das, was vergangen ist, vor sich. So daß dasjenige, was schon abgelaufen war, was geschehen war, sagen wir eine Viertelstunde zuvor, dann vor der Seele der Toten stand wie ein erster Aufleuchtemoment des Bewußtseins. Dann kam wiederum ein Zustand des Betäubtseins in dem überflutenden Bewußtseinslicht, um in diesem Zustand entgegenzugehen jenen andern Zuständen, in denen dann die Seele allmählich lernt, sich zu orientieren in der geistigen Welt.
Cite:
GA 159/1915-02-19/p011 · edition original