Der Durchgang Des Menschen Durch Die Todespforte - Eine Lebenswandlung

GA 159/1915-02-19/p021 ·1915-02-19 · original (original)
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Ich möchte dieses als ein anschauliches Beispiel vor Ihre Seele hinstellen für den geheimnisvollen Gang, den die menschliche Seele nimmt gerade durch den Zeitpunkt hindurch, der das Leben zwischen Geburt und Tod trennt von dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wo gewissermaßen alles das, was uns im Erdenleben noch äußere Erfahrung war, innerer Reichtum der Seele wird und so in uns lebt. Hier nimmt man Geisteswissenschaft noch als etwas Äußeres an. Gleich nach dem Tode aber zeigt es sich, wie sie so in der Seele lebt, ja, sagen wir, so wie Muskelkraft jetzt in unserem physischen Leibe lebt. Das muß man einmal erfühlen, wenn man so richtig den inneren Sinn, die innere Bedeutung dessen erfassen will, was die Geisteswissenschaft der menschlichen Seele sein kann. Man wird dann nach und nach - dazu muß man Geduld haben - sich einen Begriff aneignen von den doch ganz andersartigen Verhältnissen, die in der geistigen Welt bestehen. Wenn wir uns von den Verhältnissen, die in der Sinneswelt sind, Worte und Begriffe prägen, so können wir höchstens Sinnbilder dessen geben, was in der geistigen Welt ist. Man muß sich in Geduld hinarbeiten zu Begriffen und Empfindungen und Gefühlen, die einigermaßen richtig und wahr dasjenige ausdrücken, was die Verhältnisse der geistigen Welt sind. Die Logik des Erdenlebens ja, es ist wirklich nur eine Logik des Erdenlebens -, sie ist für das Erdenleben schon manchmal recht brüchig. Ich habe auch hier schon angeführt, wie man mit der Logik des Erdenlebens an den wirklichen Tatsachen vorbeigehen kann. Ich habe öfter das Beispiel angeführt: Nehmen wir an, ein Mensch geht an einem Bach spazieren. Wir sehen, daß er in den Bach hineinfällt. Wir eilen herbei und entdecken, daß er schon tot ist. Wir sehen einen Stein an der Stelle, wo der Mensch in den Bach gefallen ist, und können uns jetzt ein ganz logisches, aber doch oberflächliches Urteil bilden. Wir können sagen: Der Mensch ist über den Stein gestolpert, in den Bach gefallen und ertrunken. Er ist den Tod des Ertrinkens gestorben. — Aber das kann ganz falsch sein. Wenn man vielleicht rein äußerlich anatomisch die Sache untersucht, so kann es sich herausstellen, daß der Mensch vom Herzschlag getroffen worden ist; dadurch fiel er ins Wasser. Der Herzschlag ist die Ursache seines Todes. Mit der gewöhnlichen richtigen Logik schließen wir das Verkehrte. Solche Schlüsse — das sei nur nebenbei bemerkt — werden im menschlichen Leben und namentlich in der Wissenschaft fortwährend gemacht. Die Wissenschaft ist voll von solchen Schlüssen, wo Ursache und Wirkung verwechselt werden.

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Cite: GA 159/1915-02-19/p021 · edition original