Das intime Element der mitteleuropäischen Kultur und das mitteleuropäische Streben
Denken Sie doch nur einmal den folgenden Fall: Ernst Haeckel hat im Grunde genommen sein ganzes Leben hindurch sich bemüht, die deutsche Weltanschauung in Bahnen zu lenken, die ganz beeinflußt sind von britischem Denken, von britischem Wesen. In Ernst Haeckels Schriften fließt ganz das britische Denken, der britische Empirismus. Und jetzt wettert er am allermeisten gegen England. Das sind Vorgänge, die sich im Unterbewußten der Seele des Mitteleuropäers vollziehen; das sind auch Dinge, die in einer solchen Seele mit dem Karma eng zusammenhängen. Denken Sie einmal, was es heißt, wenn Haeckel sich hinstellt vor die Welt und sagt, er selbst habe die erste große Tat des großen Forschers Huxley vollbracht, indem er den Satz von der Ähnlichkeit des Menschenknochen mit dem Tierknochen prägte; wie er, Haeckel, dann hingewiesen hat auf den großen Umschwung in der Auffassung von der Abstammung des Menschen, und wie er in die Evolutionslehre nichts hereinnahm als das, was aus dem Westen kam und wenn man dann sieht, wie er jetzt gedrängt wird, zu wettern gegen dasjenige, was sein ganzes Geistesleben gebildet hat. Es ist das tragischste Ereignis der Gegenwart für eine solche Seele, das sich nur denken läßt. Es ist geistiger Dynamit, denn es zersprengt eigentlich alle Grundsäulen, auf denen eine solche Seele steht.
Cite:
GA 159/1915-03-07/p026 · edition original