{"corpus":"steiner","locus":"GA 159/1915-03-07/p027","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und so sieht man hinein in die Tiefen desjenigen, was sich eigentlich gegenwärtig vollzieht, aber auch in das Furchtbare, auf das wir aufmerksam sein müssen. Nur dann, wenn man wirklich die Dinge so betrachtet, wird man in die Lage kommen, sie über den engen Hotrizont hinaus, unter dem sie heute häufig betrachtet werden, einmal ins Auge zu fassen. Man wird vor allen Dingen eine große Lehre ziehen können - und das wird die schönste, zugleich die demütigendste und erhabenste Lehre sein, die Lehre von dem, wozu der waltende, wirkende, wesende Weltengeist den mitteleuropäischen Menschen bestimmt hat, der jetzt, umschlungen von der Midgardschlange, wie in einer Festung eingeschlossen ist, allüberall von Feinden umgeben. Wenn uns dasjenige, was geschieht, zum großen Symbolum wird für tiefstes Weltenweben und Weltenwesen, dann erst kommen wir frei von einer selbstischen Auffassung der schweren, schicksaltragenden Ereignisse der Gegenwart. Und dann werden wir erst fühlen, wie wir uns würdig machen müssen dessen, was etwa Fichte auch in einer Zeit, in der Deutschland in schicksaltragenden Tagen stand, gesprochen hat in den «Reden an die deutsche Nation», wo er sprechen wollte, wie er sich ausdrückt, «für Deutsche schlechtweg, von Deutschen schlechtweg», und in der Richtung sprach, in der man dazumal sprechen mußte vom Deutschen schlechtweg zum Deutschen schlechtweg. Aber wie Fichte dazumal von alledem gesprochen hat, was die deutsche Mission, der deutsche Pflichtenkreis ist, so ist das Schwere, das wir heute erleben innerhalb der Einschließung durch hassende Feinde, dasjenige, was wir erleben müssen als den Sonnenaufgang des mitteleuropäischen Bewußtseins. In der Tat darf ein Wort, das sich in Fichtes Reden am Schluß findet, heute umgesetzt werden dahin, daß gesagt wird: Zu der Menschheit Heil muß die spirituelle Weltanschauung einfließen in die Seelen. Und auf diejenigen, die in Mitteleuropa wohnen, auf die sieht hin der Weltengeist, daß sie Sprachrohr werden für dasjenige, was er der Menschheit in fortlaufender Offenbarung zu sagen und zu bringen hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das intime Element der mitteleuropäischen Kultur und das mitteleuropäische Streben","site_heading":null,"date":"1915-03-07","location":null,"word_count":314,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-07/p027","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-07/p027"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/159/1915-03-07/p027","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}