{"corpus":"steiner","locus":"GA 159/1915-03-07/p030","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, dann hat er nicht Mangel an Bewußtsein, sondern dann lebt er zunächst in einem Bewußtsein, welches viel reicher und inhaltvoller ist als das Bewußtsein hier im physischen Leben. Denn von einem umfassenderen Bewußtsein schneidet der Leib ein Stück heraus und zeigt alles das, was gezeigt werden kann, dazu noch alles nur im Spiegel. Das aber, was im Leibe steckt und was der Mensch durch die Pforte des Todes trägt, das hat in der Tat in sich ein umfassendes Bewußtsein. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist, dann ist er in diesem umfassenden Bewußtsein darin. Er hat nicht zu wenig, sondern im Gegenteil zu viel, zu reiches Bewußtsein, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Darüber habe ich gesprochen in meinem Wiener Zyklus an Ostern 1914. Der Mensch hat ein reicheres Bewußtsein nach dem Tode, und wenn er eine Zeitlang, nachdem jene durch den Ätherleib bewirkte, oft geschilderte Rückschau vorbei ist, in eine Art Schlafzustand eintritt, so ist das nicht ein wirklicher Schlafzustand, sondern ein Zustand, der dadurch herbeigeführt wird, daß der Mensch in einem reicheren Bewußtsein darin ist als hier. Und wie durch überreiches Licht, durch eine Überfülle des Lichtes unsere Augen geblendet werden, so ist der Mensch geblendet durch die Überfülle des Bewußtseins, und er muß sich erst orientieren lernen. Der scheinbare Schlaf besteht nur darin, daß der Mensch in dieser Überfülle des Bewußtseins so sich orientiere, daß er dann die Überfülle des Bewußtseins herabstimmen kann zu dem, was er schon ertragen kann nach den Ergebnissen seines Lebens. Das ist das Wesentliche. Nicht zu wenig, sondern zu viel Bewußtsein haben wir, und wir wachen dann auf, wenn wir unser Orientierungsvermögen herabgestimmt haben auf das, was wir ertragen können. Es ist also ein Herabdämpfen bis zum ertragbaren Grade der Überfülle des Bewußtseins, was nach dem Tode eintritt. Solche Dinge müssen Sie sich durch die Einzelheiten des Wiener Zyklus klarmachen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das intime Element der mitteleuropäischen Kultur und das mitteleuropäische Streben","site_heading":null,"date":"1915-03-07","location":null,"word_count":323,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-07/p030","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-07/p030"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/159/1915-03-07/p030","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}