Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten
Da haben wir einen erschütternden Fall im vorigen Herbst in Dornach im Umkreis unseres Baues erlebt. Liebe Freunde waren mit ihren Kindern nach Dornach hingezogen, hatten sich dort in der Nähe des Baues angesiedelt, um die Gärtnerei zu besorgen. Und das älteste, sieben Jahre alte Kind, ein geistig unendlich aufgeweckter Knabe, der aber auch in bezug auf seine Herzenseigenschaften etwas ganz Eigentümliches war, der war wirklich etwas wie ein Sonnenkind. Man hatte innigsten Anteil an der Seele dieses Kindes, auch wenn man es nur flüchtig da und dort einmal sehen konnte. Als dann der Vater eingerückt war, um auf dem Schlachtfelde seine Pflicht als deutscher Bürger zu tun, da war der siebenjährige Knabe mit seinem Herzen, ich möchte sagen, schon so in der ganzen Situation des Lebens darin, daß er sich ganz besonders angestrengt hat, den Vater, so gut er konnte, zu ersetzen, um der Mutter zu helfen, indem er alles mögliche besorgte. Er fuhr in die Stadt, kaufte ein, der siebenjährige Knabe ganz allein. Bines Abends wurde nun der Knabe vermißt. Es war gerade ein Vortragsabend. Eine uns befreundete Persönlichkeit kam so etwa um zehn Uhr und sagte, daß der Knabe vermißt wäre. Und es konnte zum Schluß gar nicht unklar sein, daß dieses Vermißtsein des Knaben etwas zu tun habe mit dem Umfallen eines Möbelwagens, der in der Nähe des Baues an einer Stelle umgefallen war, wo vielleicht vorher kaum ein Möbelwagen gefahren ist, seit jener Zeit auch nicht wieder und wohl auch lange Zeit hindurch keiner fahren wird. Der Wagen war über eine kleine Böschung in eine Wiese hinein so heruntergefallen, daß die Fuhrleute sagten, es wäre keine Rede, daß man den Wagen am Abend noch heben könne. Sie spannten die Pferde aus, für die sie sehr besorgt waren, und ließen den Wagen ruhig liegen, um ihn am nächsten Tage zu heben, weil sie glaubten, man würde einen ganzen Tag zu tun haben, um den schweren Wagen heben zu können. Nun war es zehn Uhr abends. Wir mußten das Vermißtsein des Knaben in Zusammenhang mit dem Umfallen dieses Wagens bringen. Es wurden alle möglichen Instrumente herbeigeschafft, und alles, was arbeiten konnte, arbeitete, und in zwei Stunden war der Wagen gehoben. Um Mitternacht fanden wir den toten Knaben unter dem Möbelwagen.
Cite:
GA 159/1915-03-13/p013 · edition original