{"corpus":"steiner","locus":"GA 159/1915-03-13/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe öfter, auch vor Ihnen, anschaulich gezeigt, wie der Mensch sich schon im äußeren Leben Täuschungen hingeben kann, so daß er geradezu Ursache und Wirkung verwechselt. Gesagt habe ich: Man nehme an, man sähe von der Ferne einen Menschen am Rande eines Flusses gehen. Man sieht, wie er plötzlich taumelt und in den Fluß hineinfällt. Man zieht ihn nicht lange danach tot heraus. Nun ist man ja wohl berechtigt, nach allen äußeren Gründen anzunehmen, daß der Mensch ins Wasser gefallen und eben ertrunken ist. Und tut man nichts anderes, so wird es im menschlichen Urteil dabei bleiben. In diesem Falle bedarf es nur eines äußeren Mittels, um sich vielleicht vom Gegenteil zu überzeugen. Man hat an der Stelle, wo der Mensch in den Fluß gefallen ist, auch noch einen Stein gefunden und wird dadurch in dem Urteil bestärkt. Öffnet man die Leiche, so wird man finden, daß der Mensch vom Schlage getroffen wurde, daß er infolgedessen in den Fluß gefallen ist und daß er den Tod nicht aus dem Grunde gefunden hat, weil er in den Fluß fiel, sondern daß er hineinfiel, weil er tot war. Also Ursache und Wirkung sind völlig verwechselt worden. Das aber geschieht vor allen Dingen in der Wissenschaft für denjenigen, der die Dinge durchschaut, an vielen Stellen. In unserem Falle, wo der Knabe seinen Tod fand, müssen wir sagen: Den Möbelwagen hat das Karma dieses Knaben bestellt, den Wagen hat sein Karma gerade an die Stelle hingebracht. Falsch ist das Urteil, wenn man glaubt, da sei ein Zufall im Spiele gewesen. Der Knabe sollte in diesem Falle eben nur das siebente Lebensjahr in dieser Inkarnation erreichen. Und ich möchte sagen, die ganze Veranstaltung ist dazu gepflogen worden. Wir müssen da uns völlig daran gewöhnen, Ursache und Wirkung zu vertauschen gegenüber der Art, wie wir sie im gewöhnlichen Leben sehen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten","site_heading":null,"date":"1915-03-13","location":null,"word_count":305,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-13/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-03-13/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/159/1915-03-13/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}