Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten

GA 159/1915-03-13/p019 ·1915-03-13 · original (original)
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Wie gesagt, am Anfang und am Ende der Bestattung mußten diese Worte gesprochen werden. Nun war in der Tat diese Seele gewissermaßen wie schlafend während des ganzen Vorganges, während der Bestattungszeremonie. Dann folgte die Einäscherung. Das Merkwürdige trat ein, daß der erste Augenblick eines nachher wiederum vergehenden Aufblitzens des Bewußtseins für die Seele in dem Moment eintrat, wo, man kann nicht sagen die Flamme, sondern die Wärme den Leichnam ergriff. Da konnte man sagen: Diese Seele ist nun durch die Pforte des Todes gegangen, ihren Ätherleib hatte sie abgelegt, und nun zeigte sich, wie eine solche Seele zurückblickt. Vor dieser Seele stand in diesem Rückblick die ganze Bestattungszeremonie, das heißt das, was gesprochen worden war; darauf blickte sie hin. Und man könnte da das Geheimnis der Zeitenwirksamkeit für die Seele sehen, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Das hätte man in einem solchen Falle immer sehen können. Wenn man hier im physischen Leib auf etwas, was im Raume steht, hinblickt und dann davon weggeht, so geht dieser Gegenstand nicht weg, sondern bleibt stehen, und man kann sich immer umschauen — man sieht, er bleibt stehen. So ist es aber nicht mit dem, was wir zeitlich erleben im physischen Leben; da haben wir nur ein Erinnerungsbild der Ereignisse. Wenn man dagegen nach dem Tode auf vergangene Ereignisse zurückblickt, so bleiben sie stehen; man blickt wie durch den Raum hindurch auf die Ereignisse. So war also stehengeblieben, was gesprochen worden war, die Seele blickte darauf zurück wie auf ein Raumgebilde durch den Zeitenlauf hindurch. Das ist das Hinblicken auf die Gebilde der Akasha-Chronik. Dann trat wiederum eine Art Schlafzustand ein. Aber besonders in diesem Falle zeigte sich so recht klar, wie unbegründet die Befürchtung der materialistischen Seele ist, daß das Bewußtsein, wenn die Seele durch die Pforte des Todes geht, herabgemindert werden könne. Wir haben nach dem Tode, wenn wir in eine Art Schlafzustand sinken, bis zum späteren Erwachen nicht kein oder zu wenig Bewußtsein, sondern wir haben zu viel Bewußtsein. Wir sind zunächst, wenn wir den Ätherleib abgelegt haben, wenn das Lebenstableau abgelegt ist, so erfüllt von Bewußtsein - ich habe darüber in dem in Wien gehaltenen Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» Näheres gesagt -, daß das Bewußtsein zunächst blendet, und der Mensch muß sich zuerst orientieren. Und er orientiert sich, indem er auf sein eigenes Erdenleben und auf seinen Charakter in diesem Erdenleben zurückblickt. An der Selbsterkenntnis muß er sich orientieren, da muß die Orientierungskraft angreifen, und von da aus wird dann gewissermaßen dasjenige, was zu viel Bewußtsein ist, so weit herabgedämpft, daß der Mensch, je nachdem, was er durch die letzte Inkarnation durchgemacht hat, es ertragen kann. Es ist also eigentlich ein Herabdärnpfen der Überfülle des Bewußtseins, die da war, bis zu dem Grade, den der Mensch ertragen kann. Aber es kann das etappenweise auftreten. Und unter dem Eindruck des Ergriffenwerdens des Leibes von der Wärme, der Hitze, entstand ein erstes Aufblitzen von wirklichem Bewußtsein in der Seele bei dieser uns befreundeten Persönlichkeit.

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