Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten
Daß die Seele aber danach strebt, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, dasjenige zusammenzufassen, was in ihr ist, das zeigte sich mir besonders deutlich an einem andern Fall. Ich sagte, diese Dinge kann man ja bei jedem Tode erleben, aber ich führe Ihnen charakteristische Beispiele aus der allerjüngsten Zeit an. Es zeigte sich mir mit ganz besonderer Deutlichkeit bei einem andern Falle, wo eine befreundete Persönlichkeit, nachdem sie höhere Jahre erreicht hatte, durch die Pforte des Todes gegangen ist. Die letzten Jahre, die sie auf der Erde durchlebte, war sie mit allen Gefühlen und Empfindungen in einer seltenen Weise an das hingegeben, was man die Impulse der Geisteswissenschaft nennen kann. Sie war so, daß sie alles einzelne der Geisteswissenschaft mehr fühlte, als mit dem Verstande erfaßte, daß sie mit der Seele vereinigte die Art der Empfindung, des Fühlens, welches eine nicht theoretische, sondern lebenswahre Auffassung der Geisteswissenschaft gibt. Nun war es bei dieser Persönlichkeit so, daß ganz kurz nach der Todesstunde, während des Hineinlebens in das Lebenstableau mit dem Ätherleib, wie hinstrahlte von der Seele, mit der man sich dann identifizierte, dasjenige, was diese Seele als ihr Selbst jetzt zu erfassen suchte, wo sie den Leib abgelegt hatte. Und ich mußte mir dann ganz kurz nach dem Tode, als die Seele mit dem Ätherleibe noch vereinigt war, Worte aufschreiben, die ich auch wiederum nicht geprägt habe durch mein Menschenwissen, sondern die nichts anderes sind als eine Wiedergabe dessen, was die Seele sich innerlich in sich selbst erarbeitete, um gleichsam zusammenzufassen wie in eine Art Resümee dasjenige, was sie aus der Geisteswissenschaft hatte bekommen können, um zu einem innerlich vollen Selbstbewußtsein zu kommen. Da tönte es in der Seele mit den Worten, die ich dann auch, einer Eingebung folgend, vor und nach der Bestattungsrede zu sprechen hatte. Sie werden gleich den großen Unterschied zwischen dem ganzen Ton dieser Worte merken, die ich für die andere Persönlichkeit vorher angeführt habe.
Cite:
GA 159/1915-03-13/p020 · edition original