Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten

GA 159/1915-03-13/p023 ·1915-03-13 · original (original)
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Das sind wiederum Fälle, in denen so recht klar wird, wie der Mensch, indem er durch die Pforte des Todes geschritten ist, angewiesen ist darauf, in Selbsterkenntnis auf sein Selbst zurückzublicken. Und man konnte deutlich sehen, wie es für den Toten eine gewisse Hilfe ist, wenn der noch im physischen Leibe Weilende ihm hilft zu formulieren, in Worte zu fassen dasjenige, was in ihm waltet und webt. Selbstverständlich kommen später die Zeiten, wo der Mensch seine Schwächen und seine Fehler, seine Sünden erblickt in der Seelenwelt. Aber das müssen wir festhalten: So sehr zuweilen der Tod von denen, die noch im Leibe weilen, gefürchtet wird, von der andern Seite rückblickend gesehen, nimmt sich der Tod ganz anders aus. Hier im physischen Leben kann kein Mensch mit den gewöhnlichen Menschenkräften bis zur Stunde seiner Geburt zurückblicken. Eigentlich gibt es für keinen Menschen, der nicht hellsichtige Kräfte hat, eine Möglichkeit, sein Eintreten in die Welt anzuschauen; erst später tritt der Zeitpunkt ein, bis zu dem man zurückschauen kann. Gerade das Umgekehrte ist der Fall mit jener Geburt für die geistige Welt, die wir den Tod nennen. Auf diesen Zeitpunkt blickt der Mensch unausgesetzt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Allein dieser Moment gehört zum Herrlichsten, Großartigsten, zum Allerschönsten, auf das man überhaupt in der geistigen Welt sehen kann. Von der andern Seite gesehen ist der Tod immer unmittelbar beweiskräftig dafür, daß der Geist unablässig seinen Sieg über die Leiblichkeit feiert. Und das erlebt man an sich selbst. Daher dieses Streben, das, was man sein kann, auch wirklich in der Seele nach dem Tode zu erleben. Daher ist es eine Hilfe, wenn eine im Leibe lebende Seele dasjenige in Worte prägt, wonach die Seele strebt, damit ihr das, was sie ist, klar mit all dem Besten, das sie hat, vor dem eigenen geistigen Blick stehe, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Man konnte gerade in diesem Falle so recht sehen, wie einem mit einer inneren Notwendigkeit solche Worte kommen, die sich auf das Selbst der betreffenden Seele beziehen, wenn man bei der Bestattung zu sprechen hat und nicht aus Willkür heraus spricht, sondern der göttlichen Stimme gehorcht, die einen zu tun heißt, was man zu tun hat.

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