Das Eingreifen des Christus-Impulses in das geschichtliche Geschehen - Die Überbrückung der Kluft zwischen Lebenden und Toten
Und Gorki, von dem Sie schon manches gehört haben werden, sagt zu solchen Worten: «Grausam, aber wahr», indem er nun nicht nur die Weltanschauung einer dichterischen Persönlichkeit wiedergibt, wie sie der Dichter ausspricht, sondern seine eigene Weltanschauung ausspricht, die sich für ihn als die Betrachtung der Welt ergibt. Das ist die Weltanschauung eines Barfüßers, eine Weltanschauung, von der man gerade so reden kann wie von andern jetzt vorhandenen Weltanschauungen. Es ist die Weltanschauung, die die Möglichkeit verloren hat, aus sich herauszukönnen, aus sich heraus zu etwas zu kommen, das Licht hineinsendet ins Leben; die zu warten hat, bis sie von diesem Licht befruchtet wird, und dann ihre Mission in der Menschheitsevolution erfüllen kann; die sich aber jetzt aufbäumt gegen dasjenige, was sie gerade tun muß. Man hat viele Phrasen erleben können in der Welt, aber ich sage es aus dem tragischsten Empfinden heraus: Solche Phrasen, wie sie von den verschiedensten Parteien im August 1914 auf der Kriegsversammlung der russischen Duma gesprochen worden sind, solch eine Summe von Phrasen übersteigt den Höhepunkt aller Phrasenhaftigkeit. So etwas wird nur gesprochen, wenn alle lebendige Produktionskraft der Seele ausgepumpt ist. Im Osten steht man in Wirklichkeit am Vorabend desjenigen, was erst werden soll, und entfaltet eine Kraft, die entgegengesetzt liegt - dem, was einstmals diesen Osten groß machen wird. Und wir in Mitteleuropa haben uns zu sagen: Dieser Osten wartet doch gerade auf die spirituelle Weisheit, die in der Mitte von Europa aufgehen muß. Meine lieben Freunde, versuchen Sie, dasjenige in Empfindungen umzusetzen, was ich also mit schweren Empfindungen, möchte ich sagen, in einzelnen Worten charakterisierend angedeutet habe, was ich Ihnen so angedeutet habe, daß es dasjenige beleuchten kann, was wir als Geisteswissenschafter mit erweiterten Empfindungen überschauen und in das wir uns hineinfinden sollen, um die eigentliche Notwendigkeit, auch die zeitgeschichtliche Notwendigkeit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung zu begreifen. Dann werden wir uns mit Gedanken durchdringen, welche verständnisvoll von unseren Seelen hinaufgehen in die Weltenweiten. Gedanken, welche sich dann begegnen werden mit dem, was in der nächsten Zukunft, wenn wiederum Friede über den Gefilden der Erde sein kann, herunterwirken wird aus diesen geistigen Welten.
Cite:
GA 159/1915-03-13/p034 · edition original