{"corpus":"steiner","locus":"GA 159/1915-05-07/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und merkwürdig, diese Welt, auf die wir da hinschauen, ist uns so, daß wir sie, indem wir ins Einschlafen übergehen, so empfinden, wie wir im Frühling die Erde empfinden, wenn sie, nachdem sie von der Schneedecke des Winters befreit worden ist, wenn sie die einzelnen grünen Sprossen hervorbringt, wenn sie sich wiederum zum Wachstum, zur Vegetation dessen, was sich auf ihr bildet, anschickt, wenn alles wiederum in Sprossen und Sprießen übergeht. Indem wir im Einschlafen den zu einer Welt erweiterten physischen Leib und Ätherleib ansehen, so sehen wir sie gleichsam so, daß wir sie empfinden können wie einen im Frühling aufwachenden Planeten. Und das geht durch den ganzen Schlafzustand so weiter. Was wir da in mächtigen Bildern sehen, die uns wirklich in der Ausdehnung wie ein Planet erscheinen, das schickt sich an, seinem Sommer entgegenzugehen, wie die Erde sich anschickt, ihrem Sommer entgegenzugehen, wenn der Frühling zu Ende geht. Und so machen wir den Schlafzustand durch, wenn wir ihn regelrecht durchmachen. Wir gehen gleichsam im Schlafzustand durch bis zu jenem Punkte, wo wir empfinden: Unser physischer Leib und Ätherleib tragen Sprießendes und Sprossendes bis zur Blüte, ja bis zur Fruchtentfaltung; überall wächst und gedeiht alles. Wenn ich mich im einzelnen ausdrücken soll, so muß ich sagen - für den imaginativen Anblick ist dasjenige, was sich so darbietet, allerdings paradox —: Während wir mit dem physischen Anschauen gewissermaßen unsere Erdoberfläche empfinden und auf ihr das von unten nach oben Sprießende, dasjenige, was wächst und gedeiht, im Bewußtsein haben, ist es so, wenn wir nun von außerhalb dasjenige beobachten, was mit unserem Leibe vorgeht und mit der Pflanzenwelt vergleichen, als wenn seine Wurzeln von oben herdringen und es mit seinen Blüten in unseren Leib hineinwächst. Also eine vollständig umgekehrte Welt empfinden wir, und die Früchte werden hineinversenkt. Wir lernen dann, daß mit diesem Hineinversenken der Früchte wirklich dasjenige zum Ausdruck kommt, was uns dann als die Stärkung des Schlafes zum Bewußtsein kommt. Und dadurch wissen wir, daß in der Tat — weil ja alles, was wir so in der Imagination anschauen, Kräfte sind - unser physischer Leib und Ätherleib die Kräfte aus dem ganzen Kosmos empfangen, indem wir uns in den Schlafzustand begeben. Wir schauen zu, wie Kräfte, die sich in der Bildung von aus der Welt hereinwachsenden Pflanzen ausdrücken, aus dem Kosmos kommen. Wir sehen, wie der Kosmos eine ganze Vegetation in unsere Leiblichkeit hineintreibt. Und wir bekommen dann das sichere Wissen davon, daß wir beim Einschlafen unseren Leib aus dem Grunde verlassen, weil wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen mit dem Ich und Astralleib unseren physischen Leib und den Ätherleib den Einwirkungen der Kräfte des Kosmos entziehen. Dadurch, daß wir selbst hinausgehen, machen wir unseren physischen Leib und den Ätherleib frei für die Einwirkungen des ganzen Kosmos, der mit dem, was er nun elementarisch, nicht physisch, an solchen Kräften hat, die sich uns eben in den geschilderten Imaginationen ausdrücken, in uns hineinsendet. So ist jedesmal, wenn wir einschlafen, eine Beziehung zwischen physischem Leib und Ätherleib mit dem ganzen Kosmos hergestellt. Während wir im Wachzustand in der physischen Welt leben, lebt wirklich unser physischer Leib und Ätherleib während unseres Schlafes in dem, was wir die elementarische Welt nennen, die Welt der bloßen Kräfte, die sich uns eben in den geschilderten Imaginationen darstellen. Und wir selber, wo sind wir mit unserem Ich und Astralleib? Nun, wir haben oft geschildert, und es ist auch in verschiedenen Schriften dargestellt: mit unserem Ich und Astralleibe sind wir in der Welt, die geschildert worden ist als die Welt der höheren Hierarchien unter den Wesenheiten, die wir Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter nennen. In diese Wesenheiten und ihre Welt taucht das Ich und der Astralleib ein. So wie wir, wenn wir wachend sind, von den Wesen der tierischen Welt, der Pflanzenwelt, der Mineralwelt wissen und als Mensch gleichsam über dieser Welt stehen, indem wir sie in unsere Gedanken aufnehmen, so werden wir selbst wie Gedanken aufgenommen von den Wesen der höheren Hierarchien. Und das ist das Bedeutsame, daß wir sagen können: Während hier unten unser physischer Leib und Ätherleib mit den Kräften des ganzen Kosmos in Zusammenhang treten, werden wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen selber gedacht, wie wenn wir richtige Wesen wären, gewoben aus Gedanken und der Willenswesenheit; wir werden gedacht von den Wesen der höheren Hierarchien. — Wie wir die Natur denken, so denken uns die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Daher ist es, genau gesprochen, gar nicht richtig, zu sagen, wenn man aus dem physischen Leib herauskomme, denke man die Welt. Richtig ist eigentlich, zu sagen, man erlebe es, daß man von der Welt der höheren Hierarchien gedacht wird. Wie der Gedanke während des Wachlebens sich fühlen müßte, wenn er Bewußtsein hätte, so müßten wir uns erleben als die Gedanken der höheren Wesenheiten, wenn wir außerhalb unseres physischen Leibes sind.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Kosmische Einwirkungen auf die menschlichen Wesensglieder während des Schlafes Die okkulte Grundlage des Weihnachtsfestes Der Sinn der Opfertode","site_heading":null,"date":"1915-05-07","location":null,"word_count":796,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-05-07/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/159/1915-05-07/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/159/1915-05-07/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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