Gemeinsamkeit Über Uns Christus In Uns
Derjenige Mensch in unserer Gegenwart, der sich überhaupt mit gewissen intimeren Wahrheiten des geistigen Fortschrittes der Menschheit nicht genau bekanntmachen will, der könnte fragen: Könntet ihr denn nicht, auch ohne daß ihr euch in einzelnen abgeschlossenen Gruppen zusammenschließt, einfach dadurch diese Geisteswissenschaft treiben, daß sich Vortragende dieser Gruppen finden und in ganz freier Weise Menschen, die sich auch nicht besonders kennen, zusammenkommen lassen, sie zusammenrufen, um an ihre Seelen das geistige Gut, von dem ihr sprecht, herangelangen zu lassen? - Selbstverständlich könnten wir auch so verfahren. Aber solange es uns in irgendeiner Weise möglich ist, Verbindungen herzustellen im weiteren und im engeren Sinne von Menschen, die sich kennen, die sich in gewisser Beziehung freundschaftlichst und brüderlichst in diesen Arbeitsgruppen vereinigen, so lange wollen wir dieses aus vollem Bewußtsein unserer mit der Geisteswissenschaft verbundenen Gesinnung heraus tun. Denn es ist nicht umsonst, daß sich bei uns Menschen treffen zur Pflege des intimeren Teiles unseres Geistesgutes, die sich ernst geloben, in brüderlicher Liebe und Eintracht zusammenzusein. Nicht nur, daß es eine gewisse Bedeutung hat für die Art und Weise, wie wir zueinander stehen, wie wir miteinander verkehren, daß wir in ganz anderer Weise sprechen können, wenn wir wissen, wir sprechen zu uns verwandten, mit uns bewußt verbundenen Seelen, nicht nur, daß dies so ist, sondern es ist noch etwas anderes. Wir verrichten in der Tat mit solcher Vereinigung in den einzelnen Zweigen etwas, was innig zusammenhängt mit der ganzen Auffassung, die wir von unserer geistigen Bewegung haben müssen, wenn wir sie im tiefsten Inneren verstehen. Unsere geistige Bewegung muß ja uns alle durchdringen mit dem Bewußtsein, daß sie nicht nur eine Bedeutung hat für dasjenige Dasein, welches die Sinne umfassen können, und für das Dasein, welches der auf das Äußere gerichtete Verstand der Menschen umfassen kann; unsere geistige Bewegung muß sich klar darüber sein, daß unsere Seelen durch sie eine echte und wahre Verbindung mit den geistigen Welten suchen. Wir müssen uns gleichsam mit Bewußtsein immer wieder und wiederum sagen: Indem wir Geisteswissenschaft treiben, versetzen wir in gewissem Sinne unsere Seelen hinein in jene Welten, welche nicht nur Erdenwesen bewohnen, sondern welche als ihren Daseinsort die Wesen der höheren Hierarchien bewohnen, die Wesen der unsichtbaren Welten. Daß wir gewissermaßen darinnen sind und daß unsere Arbeit für diese unsichtbaren Welten eine Bedeutung hat, daß wir in diesen unsichtbaren Welten wirklich darinnen sind — das ist es, was uns bei unserer Arbeit zum vollen Bewußtsein kommen muß. Nun ist es in der Tat so, daß innerhalb der geistigen Welt die geistige Arbeit, die wir verrichten, indem wir, uns kennend, in einzelnen Arbeitsgruppen zusammenarbeiten, eine ganz andere Bedeutung hat, als wenn wir eine solche Arbeit nicht innerhalb solcher Arbeitsgruppen, sondern außerhalb derselben, zerstreut in der Welt leisten würden. Also eine ganz andere Bedeutung für die geistigen Welten als eine Arbeit, die wir sonst leisten könnten, hat die Arbeit, die wir innerhalb unserer Gruppen in brüderlicher Eintracht zusammen leisten. Um das in vollständigem Sinne zu verstehen, müssen wir uns an Bedeutsames erinnern, das uns bei unserem geisteswissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre in mannigfaltiger Weise vor die Seele hat treten können.
Cite:
GA 159/1915-06-15/p004 · edition original