Gemeinsamkeit Über Uns Christus In Uns
Jetzt ist etwas noch nicht in der Menschengemeinschaft vorhanden, was in der sechsten Kulturperiode da sein wird bei denjenigen Menschen, die gelten werden als solche, die das Ziel der sechsten Kulturperiode erreicht haben, die nicht zurückgeblieben sind hinter diesem Ziele; also nicht innerhalb derer, die in der sechsten Kulturperiode Wilde oder Barbaren sind. Von diesen Bewohnern der Erde in der sechsten Kulturperiode — von denen also, die dann auf der Höhe der Kultur stehen werden - wird einer der wichtigsten Charakterzüge ein gewissermaßen moralischer Charakterzug sein. Jetzt ist noch wenig innerhalb der Menschheit von diesem Charakterzug zu bemerken. Der Mensch muß heute schon feiner organisiert sein, wenn es ihm in der Seele weh tun soll, daß er außer seinem eigenen Dasein andere Menschen in der Welt anschauen, betrachten, sehen muß, denen es schlechter geht als ihm. Gewiß, feiner organisierte Naturen empfinden auch heute schon Leid über das Leid, das über viele Menschen in der Welt ausgegossen ist - aber es müssen eben feiner organisierte Naturen sein. In der sechsten Kulturperiode wird bei denjenigen Menschen, die ganz auf der Höhe dieser Kultur stehen werden, nicht nur jenes Gefühl vorhanden sein, das wir heute als Schmerz empfinden über Elend, Leid und Armut, die verbreitet sind in der Welt, sondern der Mensch wird dann auf der Höhe der Kultur der sechsten nachatlantischen Kulturperiode jedes fremde Leid als sein eigenes Leid empfinden. Wenn er einen Hungernden sieht, wird er den Hunger so lebhaft empfinden bis ins Physische herunter, daß ihm dieser Hunger des andern unerträglich sein wird. Dasjenige, wovon hier angedeutet ist, daß es in der sechsten Kulturperiode nicht mehr so sein wird wie noch in der fünften, daß vielmehr in der sechsten Kulturperiode das Wohl des einzelnen voll abhängen wird von dem Wohl der Gesamtheit, ist ein moralischer Charakterzug. So wie jetzt nur das Wohl eines einzelnen menschlichen Gliedes von der Gesundheit des ganzen Leibes abhängt, und wenn der ganze Mensch nicht gesund ist, sich auch das einzelne Glied nicht aufgelegt fühlt, dieses oder jenes zu tun -, so wird in der sechsten Kulturperiode ein Gemeinsames die dann zivilisierte, die dann kultivierte Menschheit ergreifen, und der einzelne wird in viel höherem Maße, wie ein Glied des Ganzen, das Leiden, die ganze Not, die ganze Armut oder den Reichtum mitempfinden. Das ist der erste, vorzugsweise moralische Wesenszug, der die zivilisierte Menschheit der sechsten Kulturperiode charakterisieren wird.
Cite:
GA 159/1915-06-15/p008 · edition original