Zweiter Vortrag
Wenn Sie sich erinnern an das, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt ist, so werden Sie wissen, daß damals tätig war ein Zusammenwirken der Geister des Willens und der Geister der Persönlichkeit. Dieses Zusammenwirken ist auch heute noch da, aber, wie gesagt, wir können es nicht im äußeren Blickfelde finden. Wir finden es, wenn wir in das hineinblicken, was wir unser persönliches Schicksal nennen. Unser persönliches Schicksal wird ja so gewoben, daß in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen das, was uns trifft, wie Ursache und Wirkung zusammenhängt. Und was da wirksam ist in unserem persönlichen Schicksalsstrom, das sind keine Kräfte, die der äußere Naturwissenschafter untersuchen kann. Denn er wird unter den Kräften, die er auf dem Gebiete der Physik, Chemie, Biologie, Physiologie und so weiter entdeckt, nichts finden, was hervorruft jenen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, der in unserem persönlichen Karma zum Ausdruck kommt. Die Gesetze, die da walten, entziehen sich der physikalischen Beobachtung. Aber sie entziehen sich auch der historischen Beobachtung, derjenigen Beobachtung, die die sogenannten Kulturwissenschafter materialistischer Färbung heute pflegen. Wie man untersucht, was im geschichtlichen Werden vor sich geht, wie man heute Geschichte schreibt, von den persischen, ägyptischen, griechischen und römischen Zeiten bis in unsere Gegenwart, das enthält Gesetze, die nichts zu tun haben mit jenen Kräften, die in unserem Karma wirksam sind. Daher kommt der Historiker, der heutige Kulturwissenschafter materialistischer Färbung auch nicht auf die Gesetze, die abhängen von dem persönlichen Karma der Menschen.
Cite:
GA 161/1915-01-10/p005 · edition original