{"corpus":"steiner","locus":"GA 161/1915-01-10/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dann kommt das eigentliche Gedankenleben. Und noch in der Epoche, die hier geschildert ist, ist dieses Gedankenleben anders als das heutige Gedankenleben, wesentlich anders als das heutige Gedankenleben. Der griechische Denker zieht nicht den Gedanken aus dem Grunde seiner Seele herauf, sondern bei ihm offenbart sich der Gedanke, wie sich für den heutigen Menschen der äußere Ton oder die Farbe offenbart. Der Grieche nimmt den Gedanken wahr; von außen her nimmt er ihn wahr, und wir müssen, wenn wir von der griechischen Philosophie sprechen, nicht von einem solchen Denken sprechen, wie heute gedacht wird, sondern von Gedankenwahrnehmung. Also in der ersten Epoche haben wir es zu tun mit Gedankenwahrnehmung. Plato und Aristoteles denken nicht so, wie ein heutiger Philosoph denkt, sondern sie denken so, wie man heute anschaut, wie man heute wahrnimmt. Sie blicken gleichsam in die Welt hinein und nehmen die Gedanken, die sie uns erzählen in ihren Philosophien, so wahr, wie man eine Symphonie wahrnimmt. Sie sind Gedankenwahrnehmer. Die Welt offenbart ihnen ein Gedankenwerk: das ist das Wesentliche der griechischen Denker. Und in bezug auf diese Wahrnehmung des Gedankenwerkes der Welt bringen es die griechischen Denker zu einer hohen, zu einer höchsten Vollendung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-01-10","location":null,"word_count":195,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-01-10/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-01-10/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/161/1915-01-10/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}