Zweiter Vortrag

GA 161/1915-01-10/p023 ·1915-01-10 · original (original)
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Wenn heute die Philosophen glauben, das schon verstanden zu haben, was Plato und Aristoteles wie eine große Weltsymphonie von Gedanken wahrgenommen haben, so rührt dies nur von einer kindischen Einstellung der gegenwärtigen Philosophen her. Das, was Aristoteles als Entelechie, was er als Seelenglieder der Menschennatur — Ästhetikon, Orektikon, Kinetikon und so weiter — darlegt, vollständig zu begreifen, dazu werden die modernen Philosophen noch lange Wege machen müssen. Jenes innere Gedankenarbeiten, wo man die Gedanken aus sich herausholt, wo man subjektive Anstrengungen machen muß, um zu denken, das gab es in Griechenland noch gar nicht. Ganz unsinnig ist es, zu glauben, daß Plato gedacht hat; er hat Gedanken wahrgenommen. Daß Aristoteles im heutigen Sinne schon gedacht hätte, ist ein Unsinn; er hat Gedanken wahrgenommen.

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