Zweiter Vortrag
Dann kommt die vierte Entwickelungsperiode, das freie Walten des Gedankens im Inneren, ein noch weiteres Emanzipieren des Gedankens von der äußeren Gedankenwahrnehmung, jenes freie Gedankenschaffen im Inneren, das so großartig hervortritt in den Gedankengebäuden des Giordano Bruno, Spinoza, des Cartesius und der Folgenden, Leibniz und so weiter. Wenn wir diese Gedankengebäude verfolgen, so merken wir an ihnen, daß sie ganz aus dem Inneren heraus geschaffen sind. Und überall finden wir das intensive Bedürfnis dieser Denker, Gründe dafür anzugeben, daß das, was sie im Inneren schaffen, auch wirklich eine äußere Gültigkeit habe. Spinoza schafft ein wunderbares Ideengebäude. Die Frage entsteht aber: Ja, ist das alles bloß drinnen im menschlichen Geiste geschaffen, oder hat es eine Bedeutung da draußen in der Welt? Giordano Bruno, Leibniz schaffen die Monade. Die Monade soll etwas Reales sein. Wie kommt dasjenige, was die Menschen ausdenken als Monade, dazu, da draußen in der Welt etwas Reales zu sein? Alle Fragen, die seit dem 16., 17. Jahrhundert heraufgekommen sind, stehen noch immer unter dem Eindruck dieses Strebens, das freie Gedankenschaffen in Einklang zu bringen mit dem Weltendasein draußen. Der Mensch fühlt sich vereinsamt, verlassen von der Welt in seinem freien Gedankenschaffen. Da stehen wir noch jetzt mitten darinnen.
Cite:
GA 161/1915-01-10/p030 · edition original